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Giovanni Pierluigi da Palestrina, Nicolas Gombert, Orlando di Lasso u.a.

Song Of Songs

Stile Antico

harmonia mundi HMU 807489
(78 Min., 3/2008) 1 CD

Wie auch immer das Hohelied der Liebe seinen Weg in die Bibel gefunden hat: Musikgeschichtlich gesehen war seine Aufnahme eine weise Entscheidung. Wie wenige andere Bibelstellen hat diese kultiviert erotische Dichtung, die die Theologen wechselweise auf das Verhältnis Gottes zu Maria bzw. der von ihr repräsentierten Kirche oder auch auf die Liebe zwischen der gläubigen Seele und Christus bezogen haben, auch die Komponisten zu Höchstleistungen inspiriert. Und selbst wenn es manchem modernen Hörer inzwischen schwerfallen mag, die Sphären des Geistlichen und des Profanen zusammenzudenken – das junge Ensemble stile antico zeigt ihm, wie es geht. Es sind keine reinen Engel, die hier singen, sondern merkwürdige Zwischenwesen: Ihre warmen, körperlichen, tief atmenden und mit durchaus sinnlichem Ausdruck arbeitenden Stimmen scheinen noch der Erde anzugehören. Und doch ist etwas überirdisch Reines im Ton der knabenhaft gefärbten Soprane und in der Gelassenheit, mit der das Ensemble die riesigen Bögen der grandiosen musikalischen Architektur eines Palestrina oder Tomás Luis de Victoria aus vielen kleinen Kreuzrippen errichtet. Nur selten stößt der Interpretationsansatz von stile antico an seine irdischen Grenzen, so etwa in der bereits auf den Frühbarock verweisenden Motette "Veni, dilecte mi" von Sebastián de Vivanco, deren Tempowechsel und fragilere Texturen nach einer flexibleren und beweglicheren Stimmgebung zu verlangen scheinen. Über mehr als zwei Drittel der Spielzeit können stile antico jedoch die Höhe ihrer vorausgegangenen Alben halten und sie in den Bereich entführen, wo Himmel und Erde sich küssen.

Carsten Niemann, 31.07.2009



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