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Brewster’s Rooster

John Surman

ECM/Universal 2701112
(64 Min., 9/2007) 1 CD

Der britische Bariton- und Sopransaxofonist John Surman machte es jenen, die klare Kategorien lieben, in der Vergangenheit nicht gerade leicht. Mal experimentierte er mit Synthesizern, mal nahm er Platten mit Kirchenorgeln oder arabischen Lautenspielern auf, mal widmete er sich der Musik John Dowlands. Vor diesem Hintergrund wirkt "Brewster’s Rooster" fast wie ein Schock. Aber, falls das möglich ist, wie ein außerordentlich angenehmer.
Zu hören ist hier – bis auf die freie Improvisation "Haywain" – eingängiger, swingender, ja stellenweise (im Titelstück sowie bei "Going for a Burton") sogar humorvoller Jazz reinsten Wassers. Und der macht auch deshalb so viel Freude, weil er von einer exzellenten Truppe mit Spaß an kontrapunktischen Details, pulsierenden Grooves und feinsinnigen Solos gespielt wird: Sowohl mit John Abercrombie, der mit zuweilen dezent verzerrter Gitarre agiert, als auch mit Jack DeJohnette verbindet Surman eine lange musikalische Freundschaft. Drew Gress am Bass komplettiert das Dream-Team.
Die Aufnahme ist ein guter Beweis dafür, dass Improvisationsmusik am besten gedeiht, wenn man sie ohne überambitionierte Konzepte und Kopfkalkül einfach laufen lässt. Herauskommen dabei dann so aufregende Zwiegespräche wie von Surman und DeJohnette in "Kickback" oder so rührend herzenswarme Balladeninterpretationen wie bei "Chelsea Bridge". Wer hätte das gedacht? Normaler Modern Jazz kann immer noch spannend sein.

Josef Engels, 14.08.2009



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