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N° 1253
14. - 20.05.2022

nächste Aktualisierung
am 21.05.2022



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Claudio Monteverdi

L'Orfeo

Dietrich Henschel, Maria Grazia Schiavo, Luigi De Donato, u. a., Les Arts Florissants, William Christie

Dynamic/Klassik Center CDS33598
(113 Min., 5/2008) 1 DVD

Seit jetzt genau 30 Jahren ist William Christie auf allen Barockopernbühnen dieser Welt zu Hause. Und mit welch unterschiedlichen Regisseuren der amerikanische Wahlfranzose auch zusammengearbeitet, ob mit Peter Sellars oder Robert Carsen – er ist für jede szenische Idee offen, solange sie ihn in seiner enorm farbigen und nuancierten Musizierhaltung nicht behindert. Bei der Inszenierung von Monteverdis "L'Orfeo" am Madrider Opernhaus ließ sich Christie nun sogar von Regisseur Pier Luigi Pizzi eine dieser raumgreifenden Halskrausenräder anlegen, wie sie wohl auch am Hofe des Herzogs von Mantua en vogue waren, als Monteverdis Oper ebendort am 24. Februar 1607 im Palazzo Ducale uraufgeführt wurde. Ob dafür tatsächlich ein großer Innenhof als Spielraum zur Verfügung stand, wie es Pier Luigi Pizzi in seiner historisch rekonstruierten Einrichtung behauptet, beschäftigt zwar immer noch die Gelehrten. Effektvoller kann man sich jedenfalls die Eröffnungszeremonie nicht vorstellen, mit der der Einzug des musikalischen Dramas in die Welt der Illusionen ankündigt wird. Zu den übergroß prachtvollen Pauken und Trompeten in der Toccata werden da jene Bretter hochgefahren, auf denen fortan die Oper die Grenzen zwischen Himmel und Hölle auflösen wird.
Weil aber in den beigefügten Künstlerinterviews sich Pizzi als "Ästhet" outet, sorgt er erwartungsgemäß weniger für eine psychologische Neu- und Umdeutung dieses Mythos. Pizzi setzt auch als Kostüm- und Bühnenbildner im ersten Teil ganz auf eine sinnliche, neo-barocke Rückblende. Um danach das Totenreich mit kirmesgleichen Gespenstergestalten zu bevölkern. So "ästhetisch" geschmackvoll das alles ist, so harmlos erzählerisch bleibt diese Inszenierung doch auch im Stimmgestalterischen. Dietrich Henschel als Orfeo zeigt sich darstellerisch eher bemüht, man vermisst bei seinem allzu forschen Baritonregister die Zwischentöne für Entflammbarkeit und Tragik. Die gleich drei Rollen stemmende Sopranistin Maria Grazia Schiavo (La Musica, Euridice, Proserpina) steigert sich immerhin in ihrer Ausdruckstiefe. Dass dieser "Orfeo" dennoch überschäumende Dramatik und mitreißende Abgründigkeit besitzt, ist dem sensationell eingestellten Chor mit all seiner leidenden Wucht ("Ahi, caso acerbo") zu verdanken – und natürlich William Christies Les Arts florissants.

Guido Fischer, 14.08.2009



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