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Johannes Brahms, Franz Schubert

Alt-Rhapsodie, Rinaldo, Gesang der Geister über den Wassern

Lioba Braun, Carsten Süß, Gächinger Kantorei Stuttgart, Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR, Helmuth Rilling

Hänssler Classic/Naxos CD 98.228
(64 Min., 4/2005) 1 CD

Nur die Männer seiner "Gächinger Kantorei Stuttgart" musste Helmuth Rilling für dieses Projekt einladen - und davon hat er viele hervorragende in seiner Kartei, wie besonders in Schuberts "Gesang der Geister über den Wassern" und Brahms’ "Rinaldo" zu hören ist: Das hohe Tenorregister verfügt über jenes Spektrum von weichem, irisierendem Kopfklang bis hin zu schlanker, metallischer Strahlkraft, das für eine professionelle Darbietung dieser herrlichen Musik unabdingbar ist. Auch Brahms’ "Altrhapsodie" kommt im letzten Teil ("Ist auf deinem Psalter ...") die hohe Qualität des Männerchorgesangs zugute, aber hier gibt es andere Probleme: Die Mezzosopranistin Lioba Braun verfügt zweifellos über eine beeindruckende, gut funktionierende Stimme, und das weiß sie auch; vielleicht freut sie sich ein bisschen zu sehr darüber, wie brillant sie die immensen Schwierigkeiten des Stückes zu meistern in der Lage ist, denn es kommt nicht jene Stimmung auf, die für ein intensives Mit-Erleben dieses erschütternden Gesangs über Einsamkeit und tiefer Enttäuschung über das Leben mit seinem unsagbar schönen, flehend-tröstlichen Schluss nötig ist: Im Weg steht immer wieder die scheinbar doch deutlich an der Präsentation stimmlicher Fertigkeiten orientierte Interpretation der Solistin. Es braucht hier wohl die unprätentiöse Bescheidenheit einer Kathleen Ferrier, um den Hörer wirklich zu rühren - auch wenn ihre Einspielung unter Clemens Krauss gesangstechnisch vielleicht etwas weniger vollkommen ist und vor allem unter der miserablen Leistung des beteiligten Männerchores leidet. Mehr im Dienste der Aussage meistert der Tenor Carsten Süß die fordernde Solopartie der Kantate "Rinaldo" von Johannes Brahms, wenngleich sein Gesang, unter rein technischen Gesichtspunkten betrachtet, gelegentlich etwas eng und nasal ausfällt. Man kann - offenbar - nicht alles haben.

Michael Wersin, 17.11.2006



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