1999 wurde in Kiew ein riesiges Notenarchiv wiederentdeckt, das ehemals der Berliner Sing-Akademie gehörte. Unter den rund 5.000 Partituren befand sich auch die letzte Passionsmusik von Carl Philipp Emanuel Bach, die er 1787 und damit ein Jahr vor seinem Tod komponiert hatte. Beethoven war da bereits 17 Jahre alt. Während Mozart nur noch vier Lebensjahre vor sich haben sollte. Wer aber nun die Weltersteinspielung von C. P. E. Bachs Lukas-Passion hört, der ist verblüfft, wie retrospektiv das Werk angelegt ist. Die Rezitative, Arien, Chöre und Choräle sprechen in ihrem dramatischen Ausdrucksspektrum und in den kontemplativ-hymnischen Melodien mehr die Sprache seines Vaters Johann Sebastian Bach und weitaus weniger die der Empfindsamkeit und schon gar nicht die der klassischen Blütezeit.
Auf nicht mal eine Stunde Spielzeit kommt die Lukas-Passion. Was angesichts der kaum bemerkenswerten Individualität von C. P. E. Bach auch ausreicht. Und wenngleich Dirigent Joshard Daus besonders mit der EuropaChorAkademie ein Glücksgriff gelungen ist, was die Klangintensität anbelangt, sticht aus dem ansonsten ausgewogenen Sängerensemble eine Stimme heraus, die über dieser Aufnahme ständig wie ein Damoklesschwert hängt. Es ist das wie gepresst wirkende, enervierende Stimmchen des Countertenors Daniel Gloger, der den Rezitativen des Evangelisten nur bedingt gewachsen ist.

Guido Fischer, 21.08.2009



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