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N° 1260
02. - 08.07.2022

nächste Aktualisierung
am 09.07.2022



Keiner hat den Ruf des Sankt Petersburger Mariinsky-Theaters, aber auch der russischen Oper international so aufpoliert wie Valéry Gergiev. Eine Frage der Zeit war es deshalb nur, wann man als ein quer durch die Opernwelt tourender Exportschlager ein eigenes Label auf die Beine stellen wird, um die zahllosen Meriten zu dokumentieren. Über den CD-Verkauf soll der Erlös direkt in den Mariinsky-Etat fließen. Und dank der Gesamtaufnahme von Dmitri Schostakowitschs "Die Nase" dürfte die harte Währung wohl auch gleich sprudeln. Denn wie Gergiev in diesem Geniestreich des erst 22-jährigen Schostakowitsch die Fetzen fliegen lässt und alle Register zieht, um diese wilde und bunte Satire erst zu bändigen, um sie dann wieder unter Hochdruck zu setzen, ist einem seit der legendären Roschdestwenskij-Aufnahme von 1975 nicht mehr zu Ohren gekommen.
Aus der heftig gezackten Partitur mit ihren grimassierenden Walzern und Polkas, mit ihrer ekstatischen Rhythmik und der surrealen Doppel- und Dreifachbelichtung von Tradition und Moderne holt Gergiev mit seinem Orchester alles raus, was "Die Nase" zu einem spektakulären Opern-Krimispaß macht. Weil Gergiev aber eben auch ein Stimmenfetischist der Extraklasse ist, gibt sich das Ensemble vom Kollegenassessor Kovalyov (Alexei Tannovski) bis zum Distriktpolizisten (Andrei Popov) der Sache mit wahrem Feuereifer hin. Und allein schon wenn der Polizeichor im dritten Akt seinen gespenstisch-schauerlichen Choral anstimmt, bekommt man einfach nur Gänsehaut.

Guido Fischer, 28.08.2009



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