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Joseph Haydn

Sinfonien Nr. 82-87

Tonkünstler-Orchester Niederösterreich, Kristian Järvi

Preiser/Naxos PR 90765
(135 Min., 3/2006 – 5/2007) 2 CDs

Überraschend, dass Kristian Järvi den Abschluss seiner Chefdirigentenzeit beim Niederösterreichischen Tonkünstler-Orchester ausgerechnet mit Haydnsinfonien feiert: Der jüngste aus dem Järvi-Clan hat sich seinen Namen bislang fast ausschließlich mit zeitgenössischer Musik und klassischer Moderne gemacht. Die Erwartung, dass aus dieser Fremdheit eine Haydninterpretation mit einem besonderen Gefühl für Brüche oder motorische Triebkräfte dieser Musik entstehen könnte, wird jedoch schnell enttäuscht. Für Järvi geht der Weg zurück ins 18. Jahrhundert nicht über rhetorische Kontraste, sondern über den Neoklassizismus Strawinskys – freilich ohne dessen rhythmisch elektrisierende Schlagkraft. Die sechs Pariser Sinfonien schnurren in den Liveaufnahmen aus dem Wiener Sofiensaal unfallfrei, aber eben auch etwas vorhersehbar ab. Ein enttäuschend domestiziertes Haydnbild präsentiert Järvi da: Spannungsverhältnisse wie beispielsweise der Gegensatz zwischen der lang gezogenen Melodie und der darunterliegenden punktierten Streicherlinie im Hauptthema des ersten Satzes der "La reine"-Sinfonie werden kaum ausgespielt, und im Trio des Menuetts dieser Sinfonie drückt Järvi sogar ganz nach Altmeisterart auf die Tempobremse. Originalklängler wie Frans Brüggen haben da schon erheblich mehr an Witz, Anmut und Originalität in diesen Werken entdeckt. Das kompakte Klangbild, das die Farben der Instrumente verwischt und Nebenstimmen zukleistert, lässt jegliches Restinteresse an dieser Einspielung erlöschen, die so nur zur Befriedigung der niederösterreichischen Fangemeinde taugt.

Jörg Königsdorf, 28.08.2009



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