Responsive image
Diverse

Genfer Psalter

Vocalconsort Berlin u.a., Klaus-Martin Bresgott

Edition Chrismon/AL!VE 3870481
(76 Min.) 1 CD

Der "Genfer Psalter" ist die erste komplette Umwandlung sämtlicher 150 Psalmen in französischsprachige Strophenlieder. Angeregt wurde diese Arbeit durch den Genfer Reformator Johannes Calvin schon Ende der 1530er Jahre. Endgültig fertig war das große Werk im Jahre 1562. Für die Genfer Psalmlieder wurden im Zuge ihrer Entstehung auch eigene Melodien geschaffen, die sich durch besondere Strenge in der Faktur auszeichnen: Sie bestehen ausschließlich aus zwei verschiedenen Notenwerten, am Ende jeder Melodiezeile steht eine Pause. Geschaffen wurden diese den Texten optimal angepassten Melodien zum einstimmigen, unbegleiteten Gesang im reformierten Gottesdienst: Nichts sollte von den Texten ablenken, das Repertoire sollte mit der Zeit möglichst auswendig beherrscht werden. Dennoch entstanden, zunächst für den häuslichen Gebrauch, schon bald zahlreiche mehrstimmige Vertonungen der Genfer Psalmlieder, sowohl in homofoner wie auch in polyfoner Satzweise. Den Anfang machte Claude Goudimel, hinzu kamen unter anderem Paul Siefert, Jan Pieterszoon Sweelinck und viele mehr. Auch der niederländische Blockflötenvirtuose Jacob van Eyck improvisierte über Genfer Psalmlieder. Vor nicht allzu langer Zeit entdeckte man einige Sätze von Felix Mendelssohn Bartholdy über Lieder aus dem Genfer Psalter. Zahllose mehrstimmige Werke haben die einstimmigen Genfer Melodien inspiriert. Einen kleinen Überblick gibt die vorliegende CD: Van Eycks faszinierende Blockflöten-Diminutionen sind ebenso dabei wie Goudimels, Sweelincks und Mendelssohns Vokalsätze. Eine ansprechende Sammlung, das interpretatorische Niveau ist gut bis sehr gut, die Beiheftgestaltung allerdings dürftig, zumindest was die "technischen" Daten angeht: Man sucht vergeblich ein Tracklisting, man findet weder dieses noch Spieldauern, Aufnahmedatum etc. Das ist leider weit unter Standard.

Michael Wersin, 02.09.2009



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Gab es einen größeren Goethe-Verehrer unter den Komponisten als Ludwig van Beethoven? Den Poeten lernte Beethoven 1812 kennen, da hatte er sich von dessen Werken schon längst zu eigenen Kompositionen inspirieren lassen, vor allem zu einer ausgedehnten Bühnenmusik zum Trauerspiel „Egmont“. Eine geniale Mischung aus Poesie bzw. poetischer Andeutung und musikalischer Ausgestaltung, aus Worten und Klang. Diese Musik habe er „bloß aus Liebe zum Dichter geschrieben“, meinte Beethoven in […] mehr »


Top