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Dmitri Schostakowitsch, Veljo Tormis

Sinfonie Nr. 10, Ouvertüre Nr. 2

Cincinnati Symphony Orchestra, Paavo Järvi

Telarc/Inakustik 080702
(68 Min., 4/2008) 1 CD

1953, im Todesjahr Stalins, komponierte Dmitri Schostakowitsch seine 10. Sinfonie. Ob Schostakowitsch jedoch wirklich mit ihr den Teufel Stalin porträtieren wollte, wie er es später in seinen Memoiren behauptete, ist in dem Werk kaum nachzuweisen. So muss man sich an die "absolute" Musik halten. Und genau das tut Paavo Järvi mit seinem virtuos und plastisch zupackenden Cincinnati Symphony Orchestra in der Art und Weise, wie man es von dieser sich gegenseitig befruchtenden Musikerehe gewohnt ist. In dem riesigen Eröffnungssatz hat man das Pathos gegen düstere Eindringlichkeit eingetauscht. In dem "Allegro" und Finalsatz bricht die motorische Energie entfesselt und schnittig hinein. Das "Allegretto" zeigt sich phantasmagorisch unschuldig.
Mit dieser modernen Sichtweise auf Schostakowitsch hat sich Paavo Järvi aber auch der 2. Ouvertüre des Esten Veljo Tormis genähert. Von der Programmdramaturgie bietet sich das Werk schon deshalb an, da es mit einem ähnlichen Furor aufwartet. 1959 wurde die Ouvertüre in Tallinn uraufgeführt, nachdem Schostakowitsch sich gegenüber dem jungen Kollegen lobend über sie geäußert hatte. Was nicht verwunderlich ist: Bis auf die sich manchmal allzu weitschweifig ausbreitenden Melodiebögen steckt genau die gleiche rhythmische Zugkraft und Unberechenbarkeit darin wie im sinfonischen Schaffen des Russen. Obwohl die Ouvertüre daher mehr als epigonenhaft ist, dürfte dieses Bravourstück durchaus seinen Weg auch in die deutschen Abo-Konzertreihen machen. Vorausgesetzt, die örtlichen Stadtmusikanten erreichen halbwegs die Klasse ihrer amerikanischen Kollegen.

Guido Fischer, 02.09.2009



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