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Ludwig van Beethoven

Klaviersonate Nr. 15 D-Dur op. 28, Klaviervariationen op. 34, Klaviervariationen op. 35 ("Eroica-Variationen")

Michael Korstick

Oehms Classics/harmonia mundi OC 619
(66 Min., 8/2007) 1 CD, SACD

Die "idyllischste aller Beethovensonaten", "ländliche Hirtenmusik". Manches spricht durchaus für diese gängige Sicht auf Beethovens 1801 geschriebene, von seinem Londoner Verleger sogenannte "Sonata pastorale". Auch Michael Korstick, der längst bejubelte Spätstarter unter den führenden Pianisten unserer Tage, propagiert in Opus 28 vordergründig Idyllisches: so mit seinen betont langsamen Tempi, bewundernswerten Legatogesängen und einer außergewöhnlich breit austarierten Anschlagskultur. Gerade letztere ermöglicht dem akribischen Partiturdurchleuchter auch seine ganz andere, sozusagen "gefährliche" Beethovensicht. Er schleicht sich förmlich an den Hörer heran, indem er von Anfang an, mit dem gleichförmig pochenden Orgelpunkt d, eine untergründige Spannung aufbaut (während Gilels beispielsweise nur bröseliges Ostinato-Trockenfutter produziert). Wie sich diese dann entlädt, wie Korstick den Hörer mit Sforzato-Ausbrüchen und Fortepiano-Überfällen geradezu physisch attackiert, das offenbart einen Beethoven(-Exegeten) von seltener Radikalität. Wann jemals, selbst bei Gulda nicht, hört man beispielsweise die scharf punktierten verminderten Septakkorde auf A am Ende des Andante derart explodieren? Demgegenüber fallen die Variationen op. 34 vergleichsweise konventionell aus. Während ihr Geschwisterwerk, die wahrhaft prometheisch auftrumpfenden, von tiefsinnigsten Largo- und kraftvollsten, übermütigsten "Con brio"-Eskapaden durchfurchten "Eroica-Variationen" dem Kölner geradezu provozierend genau auf den Pianistenleib geschrieben sind.

Christoph Braun, 11.09.2009



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