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Johannes Brahms

Klarinettensonaten op. 120/1 + 2, Klarinettentrio op. 114

Sharon Kam, Martin Helmchen, Gustav Rivinius

Berlin Classics/Edel 0016382BC
(66 Min., 8/2008) 1 CD

Sharon Kam spielt eine eher französisch timbrierte Klarinette, und das ist nicht ganz das, was Brahms vor dem geistigen Ohr hatte, als er seinem Meininger Spezi Richard Mühlfeld (Brief an Clara Schumann: "Man kann nicht schöner Klarinette blasen, als es der hiesige Mühlfeld tut!") diese späten Werke auf den Leib schrieb – es war ein regelrechter Jugendlichkeitsschub, der den als Komponist vermeintlich bereits "Ausgetrockneten" belebte. Aber Mühlfeld blies eben ganz in der deutschen Tradition, klangsatter, pastoser – und so fehlt hier in manchen Sätzen etwas, was man die typisch Brahms'sche "gravitas" nennen könnte, während der altersjunge Überschwang etwa beim Finalvivace der f-Moll-Sonate in dieser schlanken Fasson wunderbar rüberkommt. Man ahnt es bereits: Die Aufnahme ist nicht über einen Leisten zu schlagen.
Die schlankere Klanggestalt allerdings wirkt oft auch als eine neutralere – wahrscheinlich kein "nicht schöner" hätte sie Brahms entlockt. Sharon Kam ist den virtuosen Anforderungen natürlich gewachsen, auch den Nuancen, aber der typische "Brahmston" will sich nur selten einstellen, diese selbst in sprießender Alterslust noch weltwunde Vergeblichkeitsgeste. Auch der Pianist Martin Helmchen hat das Technische drauf – und liefert doch nur einen nicht sonderlich differenzierten, weitgehend gediegenen Brahms. Der Hörer will das ja alles gut finden, zumal im herrlichen Klarinettentrio op. 114, aber "gut gekonnt" ist eben noch lange nicht "beseelt". Brahms sehr nahe kommt übrigens der Cellist Gustav Rivinius – und entlarvt so unfreiwillig die beiden Partner als Beinahe-Brahmsianer. Schade eigentlich.

Thomas Rübenacker, 02.10.2009



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