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Vans Joint

Bill Evans

BHM/ZYX BHM 1038-2
(70 Min., 2/2008) 1 CD

Die Zeit Anfang der Achtzigerjahre an der Seite von Miles Davis hat ihn offensichtlich stark geprägt: Denn ähnlich wie sein Mentor wagt sich der Saxofonist Bill Evans seitdem immer wieder in Bereiche vor, die gleichermaßen neu und publikumswirksam sind. Er war in den frühen Neunzigern einer der ersten, der mit einer poppigen Verbindung zwischen Hip-Hop und Jazz experimentierte. 2006 überraschte er damit, dass er Bluegrass auf Funk treffen ließ. Und jetzt ist er im Konzertmitschnitt mit einer Big Band zu hören.
Zugegeben: Anfangs hat man bei dieser Zusammenkunft von Evans und der um Trommler Dave Weckl und Bassist Mark Egan namhaft verstärkten WDR-Big-Band ein leicht mulmiges Gefühl. Denn der mit strahlenden Bläsern versetzte Auftakt "Soulgrass" hat ein bisschen etwas von – Pardon – Zirkusmusik. Auch die später folgende Nummer "Sweet Tea" klingt, ungeachtet des schrägen 7/4-Taktes, mit Evans' süßlichem Sopransax stellenweise ein wenig nach Wellness-Oasen-Werbung.
Doch das sind Ausnahmen. Denn die von Michael Abene geleitete und arrangierte Big Band harmoniert prächtig mit Evans' vielschichtiger Musikwelt, in der ungewaschener James-Brown-Funk ("Vans Joint") neben makellosen Schönklang-Balladen wie dem von Abene sehr erhaben gesetzten "Let's Pretend" steht.
Die Großformation mit ihren hervorragenden Solisten (stellvertretend sei Klavier-Feingeist und Hammond-Beserker Frank Chastenier genannt) darf erstaunlich flexibel agieren. Mal gemahnt sie an Jaco Pastorius' "Word of Mouth"-Band ("Rattletrap"), mal hört man die Bop-Finesse der Four Brothers ("Snap Dragon"), mal fühlt man sich an Ray Charles ("Cool Eddie") erinnert. Der intensivste Moment der Aufnahme gehört allerdings zweifellos Bill Evans: Seine Solo-Balgerei mit Dave Weckl in "Rattletrap" lässt einen atemlos zurück. Was kann sich ein Fusion-Fan mehr wünschen?

Josef Engels, 09.10.2009



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