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Ludwig van Beethoven

Sinfonie Nr. 9

Symphonieorchester des BR, Leonard Bernstein

medici arts/Naxos 2072039
(94 Min., 12/1989) 1 DVD

Schade, dass Leonard Bernstein bei seinem Auftritt am 25.Dezember 1989 im Berliner Konzerthaus nicht gleich Nägel mit Köpfen machte: Zwar ersetzte er das Wort "Freude" im Finale von Beethovens Neunter aus Anlass des Mauerfalls durch "Freiheit", doch den Rest des Textes ließ er leider unangetastet. Also singt der Chor des Bayerischen Rundfunks: "… was die Mode streng geteilt …" statt Schillers hier ohnehin etwas unbefriedigende Wortwahl durch ein knackiges "was die Mauer streng geteilt" upzudaten. Eine verpasste Chance, über die auch Bernsteins gefühlsgesättigte Interpretation nicht wirklich hinwegtrösten kann. Bernstein dirigiert Beethoven sozusagen von Mahlers Auferstehungssinfonie aus als weltumspannendes Erlösungsstück in Slow Motion. Titanenhafte Konflikte im ersten Satz, stillstehende Zeit und Seelenreinigung im Adagio und zum Schluss der Aufschwung ins universale Firmament. Das hat trotz des warmherzig-satten Orchesterklangs seine Längen, fesselt aber immer dann, wenn die Kamera den sichtlich berührten Maestro selbst zeigt. Ausgerechnet das Finale fällt mit unbeteiligt wirkenden Solisten und brav geradeaus singendem Chor allerdings unter das Niveau der ersten drei Sätze ab. Das Wort "Freiheit" ging damals in Ostberlin eben noch nicht so leicht über die Zunge.

Jörg Königsdorf, 10.10.2009



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