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Johannes Brahms

Klavierkonzert Nr. 2 op. 83, Vier Klavierstücke op. 119

Marc-André Hamelin, Dallas Symphony Orchestra, Andrew Litton

Hyperion/Codaex SACDA 67550
(61 Min., 1/2006, 2/2006) 1 CD

Immer noch wundert man sich, wenn man den Namen Marc-André Hamelin auf einer CD mit ganz "normalem" Repertoire liest – dabei reagiert der sanfte kanadische Klaviervirtuose in Interviews mittlerweile schon leicht genervt, wenn man ihn mit jener abseitigen (wenngleich stets hochinteressanten!) Musik identifizieren will, die er bisher in den meisten seiner Einspielungen vorgestellt hat. In seinen Konzertprogrammen, so betont er, präsentiert er sich stets auch mit Mainstreamliteratur von Haydn, Schumann oder Chopin.
Nun also Brahms’ zweites Klavierkonzert, mit dem sich Hamelin freilich, ganz anders als im Falle seiner Alkan-, Rzewski-, Catoire- oder Medtnerprogramme, in Konkurrenz zu einer Vielzahl von Klaviertitanen der letzten Jahrzehnte begibt. Kann er dem ebenso faszinierenden wie unhandlich-unbequemen Opus, über dessen "pianistische Perversitäten" einst Alfred Brendel stöhnte, noch andere Nuancen abgewinnen, nachdem u. a. der sensible Kraftprotz Sviatoslav Richter, der kontrolliert-besonnene Romantiker Maurizio Pollini oder der elegante Könner Ivan Moravec legendäre Interpretationen auf CD verewigt haben? Dass es Hamelin weder an Kraft noch an Eleganz fehlt, wird schon im ersten Satz bald klar. Dass er zudem in der Lage ist, den kompakten Klaviersatz auf mitreißender Weise klanglich zu ballen und zu verdichten, belegen besonders eindrucksvoll einige Passagen im zweiten Satz. Und als sensibler Klangzauberer zeigt Hamelin sich im dritten Satz (dessen Cellosolo übrigens ebenfalls wunderbar gelungen ist). Begeisternd duftig und transparent schließlich gerät sein Spiel im Finalsatz. Ein Plus der gesamten Darbietung ist außerdem das dichte, intensive und intelligente Miteinander von Klavier und Orchester – eine rundum beglückende Einspielung, die sich mit den Belegaufnahmen des Werks durchaus messen kann.
In den Klavierstücken op. 119 gibt Hamelin dann noch eine Probe seiner grüblerisch-differenzierten Klavierdetailkunst: Jede einzelne Stimme des Satzes wird in ihrem Verlauf liebevoll verfolgt und ausgestaltet, jeder Akkord optimal ausgeleuchtet. Schöner kann man Brahms’ Klavierminiaturen kaum zur Ausführung bringen.

Michael Wersin, 23.06.2007



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