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Richard Strauss, Robert Schumann, Claude Debussy

Ein Heldenleben, Klavierkonzert, Prélude à l'après-midi d'un faune

Malcolm Frager, Peter Mirring, Sächsische Staatskapelle Dresden, Rudolf Kempe

Hänssler Profil/Naxos PH08053
(87 Min., 3/1974) 2 CDs

Tontechnisch hat der am 15. 3. 1974 vom DDR-Rundfunk in Dresden aufgezeichnete Konzertmitschnitt etwas Patina angesetzt. Interpretatorisch jedoch gehören die Bänder zu den Juwelen der mustergültigen "Edition Staatskapelle Dresden". Dem 64-jährigen Rudolf Kempe gelang damals, zwei Jahre vor seinem Tod, mit dem "Heldenleben" eine der mitreißendsten Straussdarbietungen überhaupt. Die glorreiche Vergangenheit der sächsischen "Wunderharfe" – insbesondere als ideales Straussorchester – hier dokumentiert sie sich (noch) auf überwältigende Weise. Das lag einmal daran, dass die Dresdner ihr Paradestück präsentieren, das sie seit seiner Erstaufführung 1899 wie kaum ein zweites aus dem Effeff beherrschen – was viel heißt bei diesem monströsen Unikum, das mit seinen rhythmisch-harmonischen (mitunter bi- und atonalen) Widerborstigkeiten über 50 Minuten hinweg allen Instrumentalgruppen Schwierigstes abverlangt. Kempe, ihrem ehemaligen (von den SED-Kulturkaderbanausen schikanierten) Chef, gelang dabei das seltene Kunststück, diese aus sechs kontrastreichen "Helden"-Episoden bestehende "Heroische Sinfonie" aus einem Guss zu präsentieren. Und dies, obwohl oder gerade weil er diese Episoden denkbar tiefenscharf herauspräpariert: So lässt sich beispielsweise das Es-Dur-"Helden"-Thema kaum energetisch aufgeladener gestalten, das atonale Gekreische seiner Widersacher (Kritiker!) kaum schriller, die Liebe seiner "Gefährtin" kaum lyrisch-gesanglicher (souverän: Peter Mirring) und die triumphal-resignative Schlussapotheose kaum eindringlicher. Auch Schumanns Klavierkonzert erklang im Dresdener Kulturpalast in außergewöhnlicher Konturenschärfe. Harsch, herb beginnt Kempe im Verbund mit seinem bevorzugten Klavierpartner, dem 1991 verstorbenen Malcolm Frager. Elegisch, in weitem Atem, singt das Hauptthema, um dann geradezu wütend vorwärtspreschend alles Lyrische wegzufegen: So zugespitzt und in einer phänomenal austarierten Zwiesprache zwischen Klavier und Orchester wird diese in Töne gesetzte Liebe Schumanns zu seiner Clara ein mitreißendes Psychodrama – und der schon damals frenetisch gefeierte Konzertmitschnitt zu einem Tondokument ersten Ranges. Zumal sich auch Debussys klangzauberisches "Prélude à l'après-midi d'un faune" kaum filigraner musizieren lässt.

Christoph Braun, 16.10.2009



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