Der in Kanada geborene Cellist Jean-Guihen Queyras hat als langjähriger Solist beim Pariser Ensemble Intercontemporain sicherlich schon Avancierteres bewältigen müssen als diese drei Cellokonzerte neueren Datums. Und dies, obwohl die französischen Komponisten immerhin allesamt einmal von Pierre Boulez protegiert worden sind. Aber die Grabenkämpfe in der Neuen Musik sind ja endgültig passé. Und wenngleich der 35-jährige Bruno Mantovani sich für sein einsätziges Konzert quasi als inspirierenden Subtext das Cellokonzert Robert Schumanns ausgesucht hat, liegt er mit dieser musikhistorischen Fixierung durchaus im Trend. Seine metastatisch sich ins Hier und Jetzt ausbreitende Romantik-Ader kommt da dem deutschen Kollegen Jörg Widmann recht nahe.
Wenngleich Mantovani der jüngste und der namhafteste unter den drei Komponisten ist, fehlt dem Konzert aber doch Wagemut und damit eine durchschlagend eigene Handschrift. Knapp 20 Minuten setzt Mantovani auf ein eher konventionelles Kontrastprogramm, bei dem sich das Cello mit seinen zerfaserten Lamenti ständig den orchestral monströsen Skulpturen, den grellen Tutti-Ballungen und abrupten Perkussionseinschlägen erwehren muss. So linear in den Konzerten von Philippe Schoeller und Gilbert Amy der Kampf zwischen Solostimme und Ensemble abläuft, so verbünden sich diese beiden Flanken dann auch wieder. Geradezu magnetisch ziehen sie sich an, um sich bei dem 52-jährigen Schoeller in rhapsodisch geheimnisvolle Klangwelten vorzuwagen und dort mal zarte, mal verstörende Echowirkungen auszulösen. Bei dem 73-jährigen Gilbert Amy, der vor allem als Dirigent, Pädagoge und Konzertveranstalter das französische Musikleben bestimmt hat, kommt noch eine sprunggelenkige Virtuosität hinzu, mit der sich das Cello als Instrument des 19. Jahrhunderts ausweisen kann. Wobei die nötigen Reibungsflächen der Moderne stets allgegenwärtig bleiben. Auch das macht Jean-Guihen Queyras mit all seiner Könnerschaft und Sinnlichkeit deutlich.

Guido Fischer, 16.10.2009



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