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N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



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Farewell Songs

Thärichens Tentett

Traumton/Indigo 936992
(60 Min., 12/2008) 1 CD

Aus lauter Abschiedssongs besteht die vierte CD von Thärichens Tentett – und gleich am Anfang heißt es dem Vorurteil Adieu sagen, dass es sich bei AC/DC um eine einfältige Spaß-Schweinerock-Band handelt. Dabei benutzt Nicolai Thärichen seinen Erfolgskniff: Er behandelt den Song "Up to My Neck in You" wie ein Gedicht und verschafft ihm – ähnlich wie den Poemen von unter anderen Lord Byron, Dorothy Parker oder Ronald D. Laing auf den vergangenen Aufnahmen – eine neue Identität in einem alternativen Klanguniversum irgendwo zwischen Zappa, Abba, Helge und Maria Schneider.
Und das ist das eigentlich Erstaunliche: Obwohl Thärichen mit dem Album – und vor allem mit einer dreiteiligen Suite – etwas sehr Trauriges, nämlich den Tod des Vaters, musikalisch verarbeitet, hat seine Arrangierkunst ihren Witz und Humor keinesfalls eingebüßt. Da muss man noch nicht einmal das überspannt parodistische Operngesangsolo von Michael Schiefel in "On Being a Woman" hervorheben – es reicht schon die trübsinnig quäkende, gestopfte Posaune in Teil II der "Farewell Suite", dass man sich fragt, ob man nun weinen oder lachen soll.
Damit kein Missverständnis aufkommt: Das Tentett macht keinen Klamauk. Im Gegenteil: So seriös wie auf keiner seiner CDs zuvor experimentiert Komponist und Pianist Nicolai Thärichen mit den Klangfarben seines Ensembles. Und so gibt es diesmal nicht nur die wie gehabt bissigen Big-Band-Funk-Psychodramen ("Unadored", "I Can See It in Your Eyes") und Pop-Schwelgereien ("This Time"), sondern auch Tongedichte ohne Worte.
Hier übernimmt das Vokal-Unikum Michael Schiefel hell schillernde Melodielinien, während es Andreas Spannagels Flöte oder Sven Klammers Trompete obliegt, mal bedrückende, mal wilde Geschichten zu erzählen. Hoffen wir, dass es Deutschlands interessante Jazz-Großformation der vergangenen Jahre mit ihren Abschiedsliedern nicht zu wörtlich nimmt. Weitermachen!

Josef Engels, 23.10.2009



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