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Joseph Haydn

Streichquartette op. 33

Cuarteto Casals

harmonia mundi HMX 2962022.23
(107 Min., 5 u. 7/2008) 2 CDs

Die Frage, wer das Streichquartett "erfunden" habe, wird von Musikhistorikern verschwiemelt: Genaues wisse man nicht, da sei natürlich Haydn, aber auch Boccherini, der es "zeitgleich, jedoch unabhängig von Haydn" ebenfalls entdeckt hätte. Das ist ziemlicher Blödsinn. Als der Twen Haydn seine ersten (wie er sie da noch nannte) "Quadri" komponierte, war Boccherini gerade mal sieben Jahre alt – und kein Wunderkind. Nix "zeitgleich" also. Doch waren Haydns erste circa 30 Gattungsbeiträge hauptsächlich noch Divertimenti, bei denen die erste Geige brillierte und die drei andern Streicher begleiteten – sozusagen Violinkonzerte mit stark reduziertem Orchester. Das Streichquartett aber, mit dem begann, was Goethe "eine Unterhaltung zwischen intelligenten Menschen" nannte, war Opus 33/1 – und dann die weiteren fünf "Russischen Quartette". Haydn selbst sagte, er habe dieses Sixpack "auf eine ganz neue, besondere Art" komponiert.
Und diese Sprachhaftigkeit, das Disputieren und auch in der Zustimmung gesteigerte "Sich-Unterhalten" tritt sehr gut ins Laserlicht bei dieser Gesamtaufnahme des Opus 33 mit dem Madrider Cuarteto Casals. Erstens, weil es eine gute Balance findet zwischen historisierender und traditioneller Aufführungspraxis (mit einer Neigung zur letztgenannten), weil Akzente klar gesetzt werden, die Impulse das jeweilige Werk deutlich vorantreiben. Die dynamische Palette ist groß und wird auch genutzt, das Spiel hat nie etwas von zopfiger Verzärtelung. Und selbst wenn einzelne Sätze in den Tempi zu atemlos oder zu gemächlich angesetzt scheinen, kann man doch nicht sagen, das wäre "an der Musik vorbei" gespielt: reine Geschmackssache. Und was wäre schließlich eine gute Quartettaufnahme, wenn sie nicht manchmal auch zum Widerspruch reizte?!

Thomas Rübenacker, 23.10.2009



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