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Thelonica

Tommy Flanagan

ENJA RECORDS/Soulfood ENJ-2118 2
(10/2007)

Inzwischen scheint es unter Jazzmusikern fast eine Pflichtübung zu sein, mindestens ein Album mit Thelonious-Monk-Titeln vorzulegen. Oft genug ist es ja auch reizvoll, wie andere die Werke dieses so ganz eigenwilligen und sperrigen Pioniers der Jazzmoderne in ihre eigene Stilistik adaptieren. Das spezifisch pianistisch Monkische wird dabei oft aus Furcht vor ungewollt peinlicher Mimikry gemieden. Vor 25 Jahren, im Todesjahr Monks, war ein Monkalbum – und dazu eines in Klaviertrio-Besetzung – ein gewagtes Unternehmen und Unbefangenheit im Umgang mit dem Material undenkbar. Ausgerechnet Tommy Flanagan, der jahrelang feinsinnig als Pianist Ella Fitzgeralds begleitete und für sein eher samtig perlendes Spiel gerühmt wurde, ging damals mit dem Bassisten George Mraz und dem Schlagzeuger Art Taylor ins Studio, um eine Hommage an Monk und die großherzige Monk-Freundin und Jazz-Mäzenatin (Panno)nica de Koenigswarter einzuspielen, und es gelang ihm das Wunderbare: Ohne jeden Anflug von Karikatur sind seine Interpretationen pianistisch monkisch und zeugen in den Durchführungen von einem tiefen Verständnis des Materials, und doch sind sie auch bester elegant swingender und linear logischer Flanagan. Dieses außergewöhnliche Hörerlebnis verdanken wir der vierten Staffel der Reissue-Edition früher Enja-Aufnahmen. Und da finden sich noch weitere Perlen wie etwa das Sammlerstück Common Cause, jenes Album auf dem der legendäre ungarische Gitarrist Attila Zoller mit den schwarzen Amerikanern Ron Carter am Bass und Joe Chambers am Schlagzeug zusammentraf. Sie knistern immer noch, die Spannungsfunken, die da aus dem Zusammentreffen von leicht melancholischer Puszta-Weite und New Yorker Großstadt-Hipness schlugen.

Thomas Fitterling, 01.01.1970



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