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Karol Szymanowski, Antonín Dvořák

Violinkonzerte

Arabella Steinbacher, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Marek Janowski

Pentatone Classics/Codaex PTC 5186 353
(72 Min., 5/2009) 1 CD

Die laxe liberale Erziehung in Westeuropa, vor allem in Deutschland, macht es einigen Musiksoziologen zufolge immer unwahrscheinlicher, dass hierzulande noch Instrumentalsolisten großen Formats aufwachsen: Wer würde schon heutzutage sein Kind zu der Disziplin anhalten, die es braucht, um später im Berufsleben internationalen Standards zum Beispiel am Klavier oder mit der Violine zu genügen?
Vielleicht liegt’s im Falle von Arabella Steinbacher ja an der japanischen Mutter, vielleicht ist die Sache mit dem Liberalismus aber auch einfach nur Unfug, jedenfalls hat sich die 1981 in München geborene Geigerin in ihrer Ausbildung technisch alles angeeignet, um in der Premier League mitzumischen. Ihre neue Aufnahme des ersten Violinkonzerts von Szymanowski und des einzigen von Dvořák mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Marek Janowski ist von der ersten bis zur letzten Note ohne Fehl und Tadel: Besser kann man sein Handwerk nicht erlernen. Man kann es aber vorteilhafter einsetzen. Steinbacher spielt wunderschön, mit einem kontrollierten, warmen, durchsetzungsfähigen Ton und einer Bogenführung, die man reibungsfrei nennen möchte, wenn das denn möglich wäre. Die melodische Linie ist ihr Terrain, die spannt sie ohne jede Anstrengung ungeheuer weit und verleiht ihr eine hohe Elastizität. So wie die Sprache aber nun einmal mit Wohllaut nicht auskommt, sondern Gliederung braucht, so vermisst man vielerorts Punkt und Komma und vor allem das Ausrufezeichen, mit denen Arabella Steinbacher ihren Weg deutlich markieren könnte: Hier endet die Phrase, hier fängt sie an, hier sind wir wieder beim Thema, hier muss ich mal Luft holen. Vielleicht ist sie im vorliegenden Fall auch nur gehemmt von einem Orchester, das zumindest bei Dvořák innerlich immer schon beim nächsten Takt zu sein scheint und sich von der Solistin nicht vom eigenen Kurs abbringen lassen will. Das etwas aufgeplusterte, formal zudem wesentlich unklarere Szymanowski-Konzert gelingt auf beiden Seiten besser.

Raoul Mörchen, 13.11.2009



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