Responsive image
Felix Mendelssohn Bartholdy

Lieder

Gudrun Sidonie Otto, Wolfgang Brunner

Hänssler Profil/Naxos PH09045
(60 Min., 9/2008) 1 CD

Eine prächtige Sopranstimme darf Gudrun Sidonie Otto ihr eigen nennen: hell timbriert, ungeheuer leichtgängig, gut im Fokus, erstaunlich biegsam und flexibel. Ihre Erfahrungen mit Alter Musik überträgt sie in zweifacher Hinsicht gewinnbringend auf den Liedgesang: Sie führt ihre Stimme vibratofrei und sie geht bei der Klangproduktion vom Sprechen aus – rhetorische Prägnanz ist die Folge, man konnte es wagen, im Beiheft die gesungenen Texte wegzulassen und stattdessen Wolfgang Brunners ausführliche Informationen zu den einzelnen Titeln in voller Breite abdrucken. Zu Ottos eher von der historisierenden Praxis her geprägtem Umgang mit den frühromantischen Liedern passt freilich sehr gut auch die Begleitung durch einen Hammerflügel – eine schöne interpretatorische Nuance zum Mendelssohnjahr. Eines ist zum Gesamtergebnis dennoch kritisch anzumerken: Bei aller engelhaften Leichtigkeit würde ein wenig mehr Erdverbundenheit, sprich Körperhaftigkeit dem Gesang Gudrun Sidonie Ottos gut tun: Die Ausdruckspalette würde dadurch breiter, dunklere Farben für entsprechende Texte wären verfügbar, und eine gewisse Neigung zur klanglichen Flachheit oder gar zur Zickigkeit würde ausgeglichen – ganz abgesehen davon, dass Ottos Stimme im Laufe ihrer hoffentlich langen Karriere eher fraulich reifen als womöglich irgendwann altmädchenhaft versauern würde. Hat nicht Emma Kirkby, die mädchenhafteste unter den Alte-Musik-Sopranistinnen, in fortgeschrittenem Alter auch plötzlich ihren Körper als wichtige Basis entdeckt?

Michael Wersin, 20.11.2009



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Saitenwechsel: Es ist schon seltsam, dass die zeitliche Distanz zu den Suiten eines François Couperin oder Jean-Philippe Rameau viel deutlicher hervortritt, wenn man sie statt auf einem Cembalo auf einem modernen Flügel spielt. Während das knackig-bissige Cembalo mit dieser Musik eine zeitlich stimmige Einheit bildet, trägt der fließende, weiche Klang eines Flügels etwas Vermittelndes bei. So als hörte man von einer Geschichte nur aus der rückblickenden Erzählung oder als würde man […] mehr »


Top