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Ludwig Thuille

Sextett B-Dur op. 6, Klavierquintett Es-Dur op. 20

Chantily Quintet, Gigli Quartet, Gianluca Luisi

Naxos 8.57 0790
(72 Min., 4/2008) 1 CD

Wer Ludwig Thuille (1861-1907), den Jugendfreund von Richard Strauss, kennenlernen will, aber nur die Hörzeit einer CD erübrigen kann, für den ist die Auswahl erfreulich klar: Das frühe Sextett op. 6 und das späte Klavierquintett op. 20 mit ihrer Gesamtspielzeit von 72 Minuten gelten unangefochten als Thuilles beste Werke und vermitteln eine gute Vorstellung der stilistischen Gesamtentwicklung des früh verstorbenen Komponisten der Münchener Schule. Ist in dem Sextett der Einfluss von Thuilles formal konservativem, aber klangfarbensensiblen Lehrer Josef Rheinberger spürbar, befindet sich der Professor an der Königlichen Musikschule von München in seinem Klavierquintett in voller Fahrt zu neuen Ufern: Die Harmonik wird in geschmackvoller Wagnernachfolge an ihre spätromantischen Grenzen geführt. Gleichzeitig zeigt Thuille, dass er als Komponist nicht allein von seiner melodischen Erfindungsgabe abhängig ist, sondern, Brahms vergleichbar, auch spröderes Rohmaterial sinnlich zu beleben weiß. Was die Interpreten betrifft, profitiert besonders das Quintett von dem ebenso intelligenten wie präzisen Spiel des Pianisten Gianluca Luisi, während man sich den Klavierpart des Quartetts noch etwas sanglicher vorstellen könnte – vor allem auch deswegen, weil das Chantily Quintet gerade durch sein kantables Spiel und den beseelten gemeinsamen Atem besticht. Angesichts des Nuancenreichtums dieser bis in die versteckteste Nebenstimme genau durchgearbeiteten Komposition, der von den Interpreten auch sehr sensibel nachvollzogen wird, könnte man sich beim Quintett aufnahmetechnisch mehr Transparenz wünschen. Eine lohnende Begegnung mit Strauss' geliebtem und geschätztem Jugendfreund bietet die Einspielung aber allemal.

Carsten Niemann, 27.11.2009



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