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Jazz In The Key Of Blue

Jimmy Cobb

Chesky/Inakustik 030344
(55 Min., 10/2008) 1 CD

Irgendwie scheint es, als könne der Schlagzeuger Jimmy Cobb nicht aus dem Schatten von Philly Joe Jones und Tony Williams heraustreten: der eine sein vitalistischer Vorgänger und der andere sein wunderkindhafter Nachfolger in Miles Davis' Quintett bzw. Sextett. Auch die Wiederveröffentlichungen anlässlich des 50. Geburtstages von Kind-of-Blue würdigten den letzten Überlebenden dieser Session eher verhalten. Zu Unrecht, denn seine unspektakulär filigrane Time-Gestaltung auf den Becken, vor allem aber seine duftig schwebende Besenarbeit trugen wesentlich zum Erfolg des legendären Albums bei. Jetzt legt der 80-Jährige auf dem audiophilen Chesky-Label eine Balladen-CD vor, die ganz auf seine Qualitäten als Besenspieler abgestellt ist. Ein Jimmy Cobb tut das nicht zum Selbstzweck, er musiziert mit dem Trompeter und Flügelhornisten Roy Hargrove, und dieser einstige Heißsporn der Young Lions ist inzwischen zu einem großen Geschichtenerzähler gereift. Ihn als Balladeninterpret wollte Cobb möglichst gut zur Geltung bringen. Das ist uneingeschränkt gelungen, zumal Hargrove hier in dem Gitarristen Russell Malone einen Partner hat, der mit seiner Ausrichtung an den klassischen Vorbildern des modernen Jazz eine seelenverwandte Stilistik verfolgt. Cobbs regulärer Bassist John Webber bindet die Solobeiträge gekonnt ein, und so kann das subtile Spiel des Leaders eine Textur entfalten, die an einen breiten roten Teppich erinnert, den man den Solisten ausrollt. An den entscheidenden Wegmarken weist er dazuhin kunstvoll unauffällige Webstrukturen auf, die diskret darauf verweisen, in welcher Richtung es weitergehen muss. Das reine Balladenprogramm mag bewundernswert konsequent sein, wirkt letztlich aber doch ganz leicht ermüdend.

Thomas Fitterling, 02.01.2010



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