Responsive image
Ludwig van Beethoven, Wolfgang Amadeus Mozart

Streichquartett Nr. 16 op. 135, Klarinettenquintett KV. 581

Sabine Meyer, Hagen Quartett

medici arts/Naxos 2072318
(72 Min., 01/2000) 1 DVD

Es gibt nicht viele Mitschnitte von Livekonzerten auf DVD, bei denen man im Kleingedruckten nach dem Regisseur sucht. Doch dies ist ein solcher Fall – und siehe da: Bei dem Mann handelt es sich um Horant H. Hohlfeld, dem schon Herbert von Karajan und Leonard Bernstein vertrauensvoll ihre Charakterköpfe hinhielten. Warum? Weil Hohlfeld die Partituren ebenso eingehend studiert wie die Musiker. So weiß er genau, wann er einen Schnitt exakt auf den Takt setzen muss, und wann er dem Auge eine Millisekunde Vorbereitung zu gönnen hat, um ein gemeinsames Atmen oder einen vorbereitenden Blickkontakt der einsetzenden Musiker einzufangen. Wobei die diskrete Perfektion, mit der Hohlfeld Ohr und Auge des Betrachters leitet, nur der getreue Spiegel einer Interpretation ist, von der man in der Tat kein Detail verpassen möchte. Vor allem ist es die in Ton und Geste spürbare gegenseitige Aufmerksamkeit, die sowohl an dem Zusammenspiel der Hagens untereinander als auch mit der Klarinettistin Sabine Meyer fasziniert. Erstes Glanzstück ist der Schlusssatz des Beethoven-Quartetts, der trotz seines Furors und schroffen Humors niemals in Brutale abgleitet. Nicht weniger positiv wirkt sich die tiefe Vertrautheit der Interpreten bei Mozart aus: Dynamische Abstimmungen, Führen und Begleiten, Ein- und Ausatmen, Konflikte und Eintracht vollziehen sich mit einer familiären Selbstverständlichkeit und erzeugen eine Schönheit, die tiefer wurzelt als die zuckerbäckerhafte Pracht des Mozarteums, welche die Musiker einrahmt.

Carsten Niemann, 09.01.2010



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Im Freien: Wenn man bedenkt, wie lange Johannes Brahms an den Skizzen zu seiner ersten Sinfonie herumgekaut hatte, überrascht die Geschwindigkeit, mit der er seine Zweite zu Papier brachte. Beflügelt wurde er bei der Arbeit durch den Sommeraufenthalt im Kärntnerischen Pörtschach am Wörthersee und den langen Spaziergängen in der Gegend. „Der Wörthersee ist ein jungfräulicher Boden, da fliegen die Melodien, dass man sich hüten muss, keine zu treten“, wie er in einem Brief an Eduard […] mehr »


Top