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N° 1290
28.01. - 03.02.2023

nächste Aktualisierung
am 04.02.2023



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Antonio Vivaldi

Pyrotechnics. Opernarien

Vivica Genaux, Europa Galante, Fabio Biondi

Virgin Classics/EMI 694 5730
(76 Min., 12/2008) 1 CD

Barocke "arie di bravura" zu schmettern, dass die Flimmerhärchen in der Cochlea Feuer fangen: Das hat sich zu einem eigenen Vivaldi-CD-Genre ausgewachsen. Ob man vom "busenbebenden Vulkan" der Cecilia Bartoli, von der "Crazy Queen" der Simone Kermes oder jetzt vom kanadischen "Feuerwerk" der Vivica Genaux schwärmt: Man staunt nach wie vor offenen Mundes über so viel (atem-)technische Brillanz der barocken Heroinnen. Allerdings: Ein gewisser Sättigungsgrad ist eingetreten, mit ihm das Verdikt mechanischer Zirkusakrobatik. Doch nichts spricht gegen so viel technisches Können, wenn es, wie jetzt bei Genaux, der Kunst Raum lässt, den Hörer auch innerlich zu packen oder anzurühren (und ihm schlicht Einkehrpausen zu lassen). Ihr im wahrsten Sinne prall gefülltes Vivaldi-Album hat die fesche Kanadierin nicht nur als stimmtechnisches Kuriositätenkabinett – mit den stereotypierten Sechzehntelketten, Arpeggien, Zwei-Oktaven-Sprüngen und Trillergirlanden – komponiert, sondern auch als Panoptikum der Vivaldi'schen Gefühlswelt. Sogar das Wort "calma" kommt darin vor (in "Catone in Utica")! Aber klar: Melancholische Innenschau ist, im Unterschied zu Magdalena Kožená, ihr Arienthema nicht. Dabei wartet Genaux mit einer im Vergleich zu Bartoli weicheren, geschmeidigeren Tongebung auf. Was wiederum bedeutet: Ihr Furor ("Griselda") attackiert den Hörer nicht derart physisch wie derjenige der Italienerin. Auch tritt Genaux' Begleitpersonal – bei gleicher Perfektion – eher als Softcore-Version des "giardino armonico" Frau Bartolis auf. Was man aber nicht unbedingt bedauern muss. Der Albumtitel behält jedenfalls seine Gültigkeit.

Christoph Braun, 16.01.2010



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