Responsive image
Gabriel Fauré

Klavierquartett c-Moll op. 15, Klavierquartett g-Moll op. 45

Trio Wanderer, Antoine Tamestit

harmonia mundi HMC 902032
(63 Min., 10/2008) 1 CD

Faurés Klavierquartette fristen auf dem Plattenmarkt kein Schattendasein. Und doch ist das Bild, das wir hierzulande von ihrem Schöpfer haben, so geprägt von dessen sphärisch-lichtem Requiem, den sensiblen Klavierkompositionen und der pastoral-unbeschwerten "Bergamasques"-Suite, dass einen die schwelgerisch-ausladende und dramatische Art seines Opus 15 durchaus irritieren kann: So schumannesk und brahmsianisch, so deutsch-romantisch also, komponierte Fauré in den ausgehenden 1870er Jahren! Im zweiten Gattungsbeitrag, obwohl nur einige Jahre später geschrieben, ist er dann schon ganz "bei sich": charakteristisch die schwebenden Akkorde, die ungewöhnlichen modalen (halbtonlosen) Harmonieverbindungen in der kontrapunktisch subtilen Durchführung des herben Eröffnungssatzes – vor allem aber auch im berühmten Adagio, dieser verträumt-melancholischen Kindheitserinnerung, die von der Faktur her bereits an Debussy gemahnt. Schon von seinem (namengebenden) Selbstverständnis und seinen bisherigen, zu Recht hochgelobten Einspielungen her ist das französische Trio Wanderer für beide "Faurés" prädestiniert: Die emphatisch aufblühende Klangdichte der deutschen Tradition liegt ihm ebenso wie das Filigran-Französische. Vincent Coq wahrt bei aller (brahmsianisch-) vollgriffigen Klaviervirtuosität stets die Balance zum engmaschig angelegten Streicherpart. Wobei Jean-Marc Phillips-Varjabédian und Raphaël Pidoux, verstärkt vom Bratschisten Antoine Tamestit, am meisten Eindruck machen im "con sordino"-Trio des ersten und in den entrückten Kantilenen jenes Kindheits-Adagios des zweiten Quartetts. Hier vor allem hält man auch die neue Referenzeinspielung in Händen.

Christoph Braun, 16.01.2010



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Die Solopartiten und -sonaten von Johann Sebastian Bach gelten vielen als der Heilige Gral der Geigenmusik. Darf man sie anrühren, verändern, verfremden? Gefährliches Unterfangen! Doch andererseits haben schon so einige Instrumentalisten den Beweis erbracht, dass gerade Bachs Werke sich mit ihren Walking Basses für eine Begegnung mit dem Jazz und anderen moderneren Stilrichtungen hervorragend eignen. Nun hat Geiger Benjamin Schmid seine waghalsige und ziemlich überzeugende […] mehr »


Top