home

N° 1290
28.01. - 03.02.2023

nächste Aktualisierung
am 04.02.2023



Responsive image
Maurice Ravel

Orchesterwerke

Rotterdamer Philharmoniker, Yannick Nézet-Séguin

EMI Classics 966 342-2
(62 Min., 6/2007) 1 CD

Das Tempo, mit dem Dirigenten Weltkarriere machen können, war noch nie so hoch wie heute: Innerhalb von nur drei, vier Jahren ist der Franko-Kanadier Yannick Nézet-Séguin zu einem der begehrtesten Dirigenten geworden und hat 2008 Valéry Gergiev an der Spitze des Rotterdam Philharmonic Orchestra beerbt, noch bevor der durchschnittliche Klassikinteressent überhaupt Gelegenheit hatte, sich seinen Namen zu merken. Von einer überstürzten Karriere kann allerdings keine Rede sein: Wie schon sein Dirigat von Gounods "Roméo et Juliette" bei den Salzburger Festspielen 2008 zeigt auch Nézet-Séguins erste CD im Rahmen seines EMI-Vertrags den heute 34-Jährigen als einen ausgereiften Maestro mit starker Musikerpersönlichkeit. Bei den Orchesterwerken Maurice Ravels bewahrt er die Oberflächenpolitur, tut aber zugleich einen Blick hinter die spiegelglatte Klangkulisse: Dank etwas langsamerer Tempi und einer stärkeren Konturierung erweisen sich die künstlichen Paradiese Ravels als brüchig, sind Seifenblasen, die langsam herabschwebend kurz vor dem Zerplatzen zu stehen scheinen. Die Zeit der "Valses nobles et sentimentales" beispielsweise scheint für ihn vorbei zu sein – die Miniaturen vereisen hier in nostalgischer Schönheit, klingen nur noch wie das Echo einer untergegangenen Zeit. Bei "La Valse" dagegen ist die Bedrohung durch die bissfest artikulierenden Kontrabässe schon von Anfang an präsent – dem edelschlaffen Walzerrhythmus steht bei Nézet-Séguin die motorische Energie der Moderne gegenüber, ohne dass das Stück deshalb an Klangreiz verlöre. Ähnlich die zweite Suite aus "Daphnis et Chloé", wo selbst im Bläsergeflirr der Morgenstimmung eine Tiefenströmung das Geschehen unerbittlich vorantreibt.

Jörg Königsdorf, 23.01.2010



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Auf Anregung seines Lehrers Carl Friedrich Zelter schrieb der blutjunge Felix Mendelssohn Bartholdy im Alter von 12 bis 14 Jahren zwölf Streichersinfonien im Zeitraum von 1821 bis 1823. Diese Werke bildeten sein Übungs- und Experimentierterrain für den musikalischen Satz, die Instrumentation und die sinfonische Form. Mendelssohn überschrieb die Stücke, die er mal mit drei und mal mit vier Sätzen gestaltete, wechselweise mit „Sinfonia“ oder „Sonata“. In ihnen fand die […] mehr


Abo

Top