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Ferris Wheel

Glenn Ferris

Enja/Edel 0091972EJH
(59 Min., 5/2008) 1 CD

Vor dreißig Jahren ließ sich der amerikanische Posaunist Glenn Ferris in Paris nieder, und jetzt, weitere dreißig Jahre später, legt er ein Album vor, das mit seiner ungewöhnlichen Reduktion auf die Besetzung Posaune, Kontrabass und Singstimme ein besonderes Zeugnis für die Quintessenz von Ferris Musik darstellt. Bebop und Ellington sind die großen Bezugspunkte für Ferris, dazu kommt eine ungeheuer musikantische Spielfreude. Hin und wieder ergeben sich auch Parallelen zu Charles Mingus allerdings ohne dessen zornige Eruptionen. Mit dem französischen Bassisten Bruno Rousselet bildet Ferris schon länger ein fruchtbares Team. Ein Zufall ließ ihn den schottischen Saxofonisten Ernie Odoom als Sänger entdecken. Der wiederum hatte eine Karriere in der IT-Branche zugunsten einer Musikerkarriere aufgegeben und sich in Genf niedergelassen, wo er auch als Clubbetreiber und Organisator von Jazzevents äußerst umtriebig ist. Im AMR-Club ließ man ihm 2008 freie Hand für ein Projekt, er wandte sich an Glenn Ferris, und der schrieb begeistert für Odoom, sich selber und Rousselet ein vollständiges Repertoire. Das Gastspiel wurde ein umwerfender Erfolg und ist jetzt auf Ferris Wheel nachzuhören. Der musikantische Ansatz, die singende und dann wieder fetzige Posaune mit deutlichem Bezug auf die Posaunentradition vor J. J. Johnson erinnert bisweilen an Ray Anderson. An Odooms Stimme fasziniert, dass trotz aller tief jazzinstrumental geprägter Stimmführung in ihr doch etwas von britisch-keltischem Gesangserbe aufscheint. Bruno Rousselet schließlich macht einen mächtig swingenden und groß warmtönenden Kontrabass, der ein Fundament ergibt, das stets weiterträgt. Klar, dass bei einem Live-Auftritt manches etwas redundant wirkt; ob aber ohne die intensive Clubatmosphäre dieses spezielle Trio derart überzeugend hätte funktionieren können, darf bezweifelt werden.

Thomas Fitterling, 13.02.2010



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