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Benjamin Britten, Edward Elgar

The Young Person´s Guide To The Orchestra, Enigma-Variationen u.a.

Cincinnati Symphony Orchestra, Paavo Järvi

Telarc/In-Akustik 80660
(66 Min., 1/2006) 1 CD

Bis auf nicht einmal eine Handvoll von sinfonischen Dauerbrennern aus dem 19. Jahrhundert (Berlioz, Dvorak, Sibelius) hat es Paavo Järvi mit seinem Cincinnati Symphony Orchestra im Aufnahmestudio gebracht. Den Zuschlag beim Rest des dominanten Repertoires erhielt dagegen die klassische Moderne. Mit all den Orchesterreißern von Strawinsky bis zur sensationell klangluxuriösen Carl Nielsen-Sinfonie, in denen die Amerikaner zeigen konnten, warum sie mittlerweile ihren festen Platz in der US-Top-Five-Liga haben. Dass man jetzt mit ausschließlich altbekannter Ware aus dem England nachlegt, in dem selbst Elgars "Enigma-Variationen" schon mit einem Bein im 20. Jahrhundert stehen, ist einerseits konsequent, was die Abarbeitung des Programmkanons angeht. Andererseits würde man hier und da gerne erfahren, wie sich die ausgesprochen warm klingende Streichergruppe, der leuchtende Blechbläserbesatz und der knackig-furios agierende Schlagzeuger bei Beethoven, Brahms oder Mahler anstellen. Auf Dauer mag zu viel Effekt und Show doch zu wenig sein, um eine verlässliche Visitenkarte abzugeben. So viel Nörgelei muss aber nun genügen. Denn wie Järvis Musiker eben auf die "Fuge" aus Benjamin Brittens "The Young Person´s Guide to the Orchestra" zusteuern und dabei die Ahnengalerie von Ravel über Prokofjew bis Schostakowitsch humoresk und detailgenau zugleich abmarschieren, mag für die einen erneut Grund genug sein, sich vom verachteten Eklektizisten Britten abzuwenden. Die anderen genießen die Prägnanz selbst im Überschäumen.
Die gesamten Temperaturenskalen von nocturnehaftem Flirren über das impulsiv Rhythmische ("Sunday Morning") bis zur Neo-Mahler´schen Sturmflut entfaltet man danach in den vier "Sea Interludes" aus Brittens Opernerstling "Peter Grimes". Und dabei sorgt die Orchestertransparenz für eine haptische Bildhaftigkeit der klanglichen Verläufe, dass man fast eine Schwimmweste anlegen möchte. In Edward Elgars "Enigma"-Variationen wird sodann auf die innere und äußerliche Stimmigkeit der kammermusikalischen Nah- und gesamtorchestralen Fernsicht Wert gelegt, verkommt die Verdeutlichung des scheinbar Übertrauten nicht im sachdienlich exzellenten Vollzug, sondern sorgt für eine Unwiderstehlichkeit im Verbindlichen. Wer die klassische Moderne so im Griff hat, der kann dann ruhig so weitermachen.

Guido Fischer, 03.11.2006



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