Responsive image
Joseph Haydn

Orlando Paladino

Tom Randle, Marlis Petersen, Magnus Staveland, Freiburger Barockorchester, René Jacobs, Nigel Lowery

Euroarts/Naxos 2057788
(168 Min., 5/2009) 2 DVDs

In Bezug auf Haydns Opern sind die Experten einer Meinung: Sowohl Nikolaus Harnoncourt als auch René Jacobs halten den "Orlando Paladino" für das beste Bühnenwerk des Meisters und beide nutzten das Haydn-Jubiläumsjahr 2009 für einen szenischen Wiederbelebungsversuch des 1783 uraufgeführten Dramma eroicomico. So recht teilen mag man den Enthusiasmus der beiden Alte-Musik-Heroen angesichts der nun auf DVD erschienenen Jacobs-Produktion nicht: Mit Ausnahme der unglücklichen Königin Angelica besitzt in dieser Oper keine Figur emotionalen Tiefgang, und für den Liebeswahn des Ritters Orlando haben andere Komponisten von Vivaldi bis Piccinni packendere Töne gefunden. Dass die eher schlichte Figurenzeichnung Haydns in dieser für die Berliner Lindenoper entstandenen Produktion allzu deutlich wird, liegt weniger an Jacobs und seinen Sängern als an der Regie des Britpoppers Nigel Lowery. Statt Haydns Rittern, Schäfern und Zauberinnen durch eine präzise Personenführung zu Glaubwürdigkeit zu verhelfen, macht Lowery das Stück zur Kinderzimmerklamotte voller ulkiger Figuren, die kurze Hosen, Kassenbrillen und Schlafmützen tragen. Was die Rasselbande schräger Typen, die er durch eine pappige Spukschlosskulisse hetzt, einen angehen soll, bleibt bis zum Ende unklar. Da helfen der glanzvolle, mit Paukenwirbeln und empfindsamen Hammerklavier-Eingängen aufgepeppte Haydnsound des Freiburger Barockorchesters ebenso wenig wie die silbernen Konstanze-Töne von Marlis Petersens Angelica und Tom Randles Furcht erregend furioser Titelheld.

Jörg Königsdorf, 27.02.2010



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Ahnengalerie: Im Wien der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat man es schon schwer als Komponist. Mozart, Beethoven, Schubert – übermächtig liegt auf allen Gattungen der Glanz der Heroen, die den klassischen Kanon geschaffen hatten. Was kann man dem noch hinzufügen? Johannes Brahms, dem man oft melancholisches Zaudern unterstellte, setzte sich in Wirklichkeit besonders lange und eingehend mit diesen Vorbildern auseinander, bevor er seinen Beitrag stimmig empfand. So ist sein Werk […] mehr »


Top