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Edward Elgar

Violinkonzert

Nikolaj Znaider, Sächsische Staatskapelle Dresden, Colin Davis

RCA/Sony Music 88697 60588-2
(53 Min., 7/2009) 1 CD

Zunächst einmal: Wer quatscht da die ganze Zeit im Hintergrund, während sich Nikolaj Znaider an Elgar so tapfer abrackert? Ist's der alte Colin Davis, den die Begeisterung von der eigenen Arbeit oder der seines Orchesters oder der seines Schützlings Znaider davon getragen hat? Wer die CD in gehobener Lautstärke mit Kopfhörer hört, wird manches Mal irritiert sein ob des leisen Gebrabbels aus der Muschel. Doch sollte man natürlich an solchen Unpässlichkeiten der Produktion nicht hängen bleiben. Denn obwohl Znaider hier keine Jahrhunderteinspielung gelingt, so ziehen wir beeindruckt den Hut vor so viel Courage und makelfreier Virtuosität. Und Elgars pompöses Violinkonzert, ausladend in jeder Hinsicht – zeitlich, klanglich, formal – verlangt vom Solisten eben beides: Er braucht Mut, um die rund einstündige Partitur musikalisch fest zu vertäuen, und er braucht jede Menge Handwerk, um sie rein technisch zu meistern. Während frühere Aufnahmen den Eindruck hinterließen, Znaider habe beste Voraussetzung zum großen Geiger, nur nicht den Schneid, als ebensolcher aufzutreten, fehlt dieser nicht viel: eine Prise Gelassenheit bloß und Abgeklärtheit, ein Schuss Selbstvertrauen, um sich hier und da mehr zuzutrauen. Da vermisst man dann den Bruchteil einer Sekunde vorm Beginn einer neuen Linie, vor einer ausladenden Figur, vor einem wichtigen Akzent, einen Augenblick des souveränen Innehaltens, der gerade bei diesem so weitläufigen und unübersichtlichen Konzert den Hörer in der Gewissheit wiegen könnte, dass der da vorne immer weiß, wo’s lang geht. Andererseits gibt Znaider das Stück nirgends wirklich aus der Hand, vermeidet Routine und Zufälligkeit, hängt an jeder Phrase, spielt intensiv und deutlich, lässt nichts einfach so passieren. Substantiell und machtvoll der Klang, den er aus seiner Guaneri holt – aus dem gleichen Instrument übrigens, auf dem Fritz Kreisler vor 100 Jahren das Elgarkonzert uraufführte. Die Staatskapelle Dresden bietet unter Davis ein ähnliches Bild, klingt luxuriös und opulent, trägt stellenweise richtig dick auf. Wie gesagt – das Ergebnis ist nicht sensationell, aber wirklich alle Achtung wert.

Raoul Mörchen, 27.02.2010



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