Mary-Ellen Nesi, griechischstämmige Mezzosopranistin aus Kanada und bisher vor allem in George Petrous bemerkenswerten Händel-Opernproduktionen (MDG) auf CD präsent, stellt sich mit einem barocken Salve-Regina-Programm unter neuer Labelflagge vor: Fünf (!) Vertonungen der bekannten marianischen Antiphon aus der Feder dreier italienischer Opernkomponisten des früheren 18. Jahrhunderts – keine leichte Aufgabe, hier gewisse Längen zu vermeiden, zumal es sich (bei allem Respekt vor den Meistern) ursprünglich um liturgische Gebrauchsmusik für etwas aufwendiger gestaltete klösterliche Samstagabend-Gottesdienste handelt. Und so hören wir viele repetierte Streicherakkorde, über denen sich anlassgemäß stark abgekeuschte Opernkantilenen entfalten. Wir hören zu immer denselben Worten ausgedünnte Streichersätze, Unisoni, eingebunden in viele, viele langsame Sätze. Frau Nesi singt mit dem vollen Spektrum ihrer Möglichkeiten, mit ihrer angenehm warmen, dunkel timbrierten Stimme gegen die Gleichförmigkeit an. Wo sie einmal kurzfristig – was sehr selten ist – Gelegenheit zu virtuosen Koloraturen erhält, verbartolisiert sie ebendiese leider ein wenig durch allzu viel Luft zwischen den Tönen. Bei aller prinzipiellem Gewogenheit dem dargebotenen Repertoire gegenüber: Dieses Programm ist für einen Musikwissenschaftler mit Schwerpunkt Kirchenmusik (und der Autor dieser Zeilen ist ein solcher) sicher von gewissem Interesse, aber das wenig spezialisierte Publikum wird sich des gelegentlichen Gähnens nicht erwehren können. Das Problem liegt vor allem in der Programmgestaltung: Vielleicht hätte man statt fünf "Salve Reginas" das eine oder andere österlich-fröhliche "Regina caeli" hinein nehmen sollen.

Michael Wersin, 06.03.2010



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