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Leonard Bernstein

A White House Cantata

Thomas Hampson, June Anderson, Barbara Hendricks, London Symphony Orchestra, Kent Nagano

Deutsche Grammophon 463 448-2
(80 Min., 9/1998)

"A White House Cantata" ist kein nach Bernsteins Tod medial nachgereichtes Stück, sondern eine Art Konzert-Torso des zwar amüsanten, aber erfolglosen Musicals "1600 Pennsylvania Avenue" (so die Adresse des Weißen Hauses). Die Handlung verfolgt die Entwicklung der Demokratie amerikanischen Stils durch verschiedene Präsidentschaften, angefangen mit George Washington - und machte zugleich episches Theater im Sinne Pirandellos, weil scheinbar keiner der Sänger/Schauspieler wusste, wohin das alles führen würde. Fazit: Demokratie als stetig sich erneuernder Lernprozess.
Nun, Pirandello fehlt hier, die Vision amerikanischer Geschichte blieb. Bernstein der Komponist war wohl nie besser, sein lustvoller Eklektizismus produziert Musik, sagen wir: von Copland über Richard Rodgers bis Bernstein, mitunter delikat, mitunter von exakt kalkulierter Vulgarität, eben "American Style". Thomas Hampson singt alle Präsidenten mit dem ganzen Gewicht des Amtes, während June Anderson als jeweilige First Lady ein wenig flackert, wie Nancy Reagan (die nicht vorkommt) auf Ecstasy. Die schwarzen Sklaven sind nobel, das Orchester klingt in Technicolor, Kent Nagano behandelt das Rumpf-Musical kein Jota liebloser als Strawinskys "Wüstling". Schon wieder ein Werk - möglicherweise seiner Zeit voraus -, das dem Vergessen entrissen wurde.

Thomas Rübenacker, 24.08.2000



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