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Johann Sebastian Bach

Goldberg-Variationen

Andreas Staier

harmonia mundi HMC 902058
(81 Min., 7/2009) 1 CD

Achtung: Bei der 16. Variation sollte spätestens jegliche Glas-Deco von den Lautsprecherboxen abgeräumt worden sein. Und wer lieber Kopfhörer verwendet – diese unbedingt nur auf halbe Kraft aufdrehen. Denn Andreas Staier zeigt nun, was in seinem zweimanualigen Cembalo steckt. Mit einem festlichen Prunkakkord stößt Staier den zweiten Teil von Bachs Goldberg-Variationen auf, da donnert und rauscht es gewaltig in den Bässen, während im Diskant stolze Pracht vorgeführt wird. Was für eine Ouvertüre à la française! Und was für ein Instrument, das Staier schon öfter so richtig ausgefahren hat. Wieder ist es der Nachbau eines Cembalos von Hieronymus Albrecht Hass aus dem Jahr 1734. Und diesmal widerspricht Staier mit Glanz, Gloria und Geist allen, die seit Glenn Gould glauben, dass dieses Variationskompendium seine volle Tiefe und Breite und Höhe nur auf einem modernen Flügel erlangen kann.
Saftig raumgreifend und zärtlich arabesk, spitzbübisch kokett und reaktionsschnell im Anschlag, wenn es wie in der 26. Variation zu einem zweistimmigen Wettrennen in Gegenrichtung kommt, präsentiert sich hier dieses Klangwunder mit einer scheinbar endlosen Ausstrahlung und Reichweite. Staier kostet diese Tugenden dementsprechend mit allem aus, was die Finger hergeben. Ungeahnte Frische wechselt sich da mit farbig-abwechslungsreichen Registrierungen ab. Der substanzielle Genuss ist selbst da garantiert, wo die Ornamentik endlich mal nicht als bloßer rhetorischer Zierrat daherkommt. Jede Variation erhält bei Staier so den Status eines großen Kunstwerks, ohne dass der Gesamtreigen sofort in sich zusammenfallen würde. Moderner lässt sich die sogenannte Alte Musik nicht denken und spielen.

Guido Fischer, 13.03.2010



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