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Otello

Dieter Ilg

FullFat/Edel 1062121QRM
(78 Min., 3 u. 6/2009) 1 CD

Dieter Ilg ist ein Meister des Kontrabasses und ein anerkannter Gourmet. Auf seiner Homepage bekennt er: "Die Verachtung singbarer Melodien ist nur ein Sinnbild postindustrieller Entwurzelung." Im Sinne dieses Bekenntnisses liebt er es, dem Jazz neue Töne beizubringen. Seine Adaptionen von Volksliedern sind bislang das bekannteste Beispiel dafür. Das wird sich jetzt ändern. Seit seinem Studium am Konservatorium verfolgt ihn eine fast zwanghafte Liebe zu der berühmten Kontrabassstelle im vierten Akt von Giuseppe Verdis Oper "Otello". Schon lange wollte er die dramatische Musik des "Otello" für sich adaptieren: Im Pianisten Rainer Böhm und dem Schlagzeuger Patrice Héral erkannte er die Musiker, die mit ihm diesen Traum Wirklichkeit werden lassen konnten. Rainer Böhm ist ähnlich wie Marc Copland ein Pianist der neuen Innerlichkeit. Anders aber als sein älterer Kollege verfügt er noch über die leidenschaftliche Unbefangenheit der Jugend. Ausgebuffter kesser Spielwitz ist neben technischer Raffinesse auch die hervorragende Eigenschaft von Patrice Héral. Koboldhaft hilft er der Melo-Dramatik schon auch mal mit rappenden Vokalisen auf die Sprünge der Leidenschaft. Dieter Ilg am lupenrein intonierten Kontrabass – im Jazz immer noch keine Selbstverständlichkeit – ist Fundament, richtungsweisender Gestalter und überragender Solist. Fast beängstigend kontrolliert wirkt mitunter seine Gelassenheit, man spürt tief berührt dahinter die Feuer der ganz großen Emotionen dieser Oper lodern. Auf wunderbare Weise ist die Kenntnis dieses Werkes mitnichten nötig, um diese Musik genießen zu können. In Ilgs Adaptation wird sie ganz organisch zu Material dieser Spielform des Jazz, die sich der postindustriellen Verwurzelung verweigert und dabei um die raffinierte Sinnlichkeit entsprechend gewürzter sangbarer Melodien weiß. Da ist es nur logisch, dass der bestechende Klang dieser Einspielung einmal mehr beweist, dass ein echter Kontrabass fürwahr durch nichts zu ersetzen ist.

Thomas Fitterling, 20.03.2010



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