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Music

Pablo Held

Pirouet/MVH PIT3045
(50 Min., 11/2009) 1 CD

Endlich mal ein Klaviertrio, das nicht e.s.t. oder Bad Plus hinterher hechelt! Pablo Held, zum Zeitpunkt noch eineinhalb Monate von seinem 23. Geburtstag entfernt, und seine Partner, der Kontrabassist Robert Landfermann und der Schlagzeuger Jonas Burgwinkel, pflegen ein hingetupftes, an Zwischenräumen reiches, an Verzögerungen und Verdichtungen reiches Klangbild. Acht der zehn Titel hat er selbst komponiert – allesamt Kleinodien eines kammermusikalischen Jazz. Hinzu kommt eine Bearbeitung von Olivier Messiaens Chorwerk "O Sacrum Convivium", deren langsame Entwicklung jeden Ton besonders intensiv wirken lässt. Diese Fähigkeit, keine Note zu viel zu spielen, prägt auch die übrigen Stücke. In der zweiten Fremdkomposition, Herbie Hancocks "I Have a Dream" aus dem Bigband-Album "Prisoner", wächst aus einem packenden An- und Abschwellen, getragen von nervösen Schlagzeugrhythmen eine fein ziselierte Triopassage – grandios. Leise geht es in den zehn Stücken zu, und Vergnügen bereitet dem Hörer vor allem, wie sich aus den Einleitungen der Stücke vielschichtige akustische Ereignisse entwickeln. Dabei verzichtet die Band – im Gegensatz zu den modischen Trios – auf den durchgängigen Beat einer Rhythmusgruppe. Hier halten alle drei das perkussive Gerüst aufrecht, wodurch Piano, Bass und Schlagzeug immens großen Raum für eigene solistische Beiträge erhalten, die gleichzeitig Teil eines kontinuierlichen musikalischen Flusses sind. Die gleichermaßen packende und differenzierte "Music" des Pablo Held Trios setzt Maßstäbe für die Fortentwicklung des Klaviertrios fernab der modischen Trends. Sie ist ein Meilenstein des filigranen, kammermusikalischen Jazz.

Werner Stiefele, 20.03.2010



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