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Joseph Martin Kraus

Aeneas i Carthago: Ouvertüren, Ballettmusik und Märsche

Finnische Sinfoniker, Patrick Gallois

Naxos 8.57 0585
(70 Min., 5 u. 6/2007) 1 CD

Sie ist mit Sicherheit eine der bedeutendsten Opern des 18. Jahrhunderts, aber weil sie, als geplante Eröffnungsoper des Stockholmer Opernhauses, mit einem szenischen Aufwand konzipiert wurde, der umgerechnet einer heutigen Olympiadeneröffnung entsprechen würde und weil sie mit ihren fünf Stunden ein bisschen lang geraten ist, müssen wir uns wieder einmal mit Häppchen begnügen. Die Rede ist von Joseph Martin Kraus' Oper "Aeneas i Cathago", die zwischen 1781 und 1791 entstand und deren Ouvertüren, Ballett- und Szenenmusiken ausreichen, um die vorliegende CD bis zum Rand zu füllen. Obwohl die an Gluck sowie Kraus' eigene große c-Moll-Sinfonie gemahnenden zwei (!) Ouvertüren des Werks die Tür schon weit in die Frühromantik aufstoßen, trägt die Ballettmusik bisweilen noch rokokohafte Züge. Und während Lothar Zagrosek, der Dirigent der verspäteten Stuttgarter Uraufführung, in diesem Zusammenhang gar von "Spieldosenmusik" sprach, nimmt Patrick Gallois die szenisch-dramatischen Qualitäten der Tänze durchaus ernster. Wenn man den Analysen des führenden Kraus-Experten Bertil van Boer folgt, der im (leider nur auf Englisch geschriebenen) Beiheft eine exquisite Kurzführung durch das Werk gibt, dann wird man allerdings dennoch zu dem Schluss kommen, dass auch Gallois den gestischen Charakter der getanzten Sturm-, Wettkampf-, Regen-, Gewitter-, Jagd-, Opfer- und Belagerungsszenen noch sehr viel plastischer hätte gestalten können. Für das Orchester einer 130.000 Einwohnerstadt bietet die etwas kompakt klingende, aber sauber und farbenreich aufspielende Sinfonia Finlandia Jyväskylä dennoch eine mehr als solide Leistung, sodass man ihr für diese Sneakpreview auf das in jeder Hinsicht große Werk dankbar sein darf.

Carsten Niemann, 27.03.2010



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