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Franz Schubert

Die Schöne Müllerin

Konrad Jarnot, Alexander Schmalcz

Oehms/harmonia mundi OC 816
(68 Min., 9/2008) 1 CD

Der 1972 geborene englische Bariton Konrad Jarnot meldete sich vor einem Jahrzehnt als bemerkenswerte Nachwuchsbegabung auf dem CD-Markt zu Wort: Markante und ausgefallene Projekte wie etwa Einspielungen von Strauss' "Vier letzten Liedern" oder Ravels "Shéhérazade", ungewöhnlicherweise von einem Mann gesungen und vom Klavier statt vom Orchester begleitet, ließen aufhorchen. Auch erregte die äußerst wohlklingende, gleichermaßen virile wie auch zu schmeichelndem Piano fähige Stimme Aufmerksamkeit. Der Autor dieser Zeilen begleitete den Werdegang des Sängers mit Rezensionen und bescheinigte ihm dabei neben allem wohlverdienten Lob immer wieder eine gewisse Neigung zum allzu kraftvollen Einsatz seiner Stimme, der eine Überanstrengung des Materials zur Folge haben könnte.
Nun präsentiert sich der inzwischen auch zum Gesangsprofessor avancierte Sänger nach längerer Pause erneut mit einem Lied-Rezital. Und leider werden nun an seiner Darbietung von Schuberts "Schöner Müllerin" tatsächlich gewisse Abnutzungserscheinungen hörbar: Schon im ersten Lied skandiert Jarnot auf irritierende Weise ohne Rücksicht auf textliche Details, ja nicht einmal auf betonte und unbetonte Silben. Die Echo-Piani an den Strophen-Enden geraten danach jeweils entsprechend fahl. In "Am Feierabend" steigert sich das Skandieren gelegentlich gar zum Brüllen, die Stimme flackert dabei in der hohen Lage. In "Der Neugierige" zeigt Jarnot immerhin, dass sein Mezzopiano in der oberen Mittellage noch irisierend schön sein kann – aber warum schiebt er hier auf fast jedem Ton einen überflüssigen Akzent nach? Die "Ungeduld" leidet wiederum am fast karikaturhaft heldischen Zugriff, der die Spitzentöne grell und ausgefranst geraten lässt. Wir hören keinen jungen Müllerburschen, sondern eher einen ermüdeten Kurwenal. Besonders eigenartig: Jarnots Verhältnis zur Sprache war früher ungleich differenzierter als bei diesen Liedern, in denen er über weite Strecken nichts als ein grobes Einerlei oder allenfalls Manierismen zum Besten gibt. Wie kann man als namhafter Sänger so eine "Schöne Müllerin" vorlegen? Diese Darbietung macht den Rezensenten persönlich betroffen – ein ähnliches Schicksal wie im Falle des einstmals so großartigen Baritons Andreas Schmidt scheint sich hier anzubahnen: Permanente Überlastung führt auf einen gefährlichen Weg, der sich schnell als Einbahnstraße entpuppt.

Michael Wersin, 03.04.2010



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