In Jacques Offenbachs Opéra-Comique "Vert-Vert" schlagen gleich mehrere Herzen synchron und wild, dass einem allein bei der Inhaltsangabe der Kopf schwirrt – in einer auf den ersten Blick doch eher dünnen Story. Doch Offenbach wäre nicht er selbst, wenn es im nicht gelänge, dieses Leichtgewicht musikdramatisch gehörig aufzupäppeln. Und so hat man ab der ersten Minute reinstes Vergnügen. An den sprudelnden und perlenden Arien und Chören, mit denen Offenbach sich an die Fersen eines Grünschnabels heftet. Valentin ist sein Name, Sohn einer Klostervorsteherin und noch reichlich unerfahren in Liebesdingen. Kaum haben ihn aber drei Klosterschülerinnen nach dem gerade verstorbenen Papagei auf "Vert-Vert" getauft, wird Valentin schnell flügge. In der Ferne lernt er die Süße des Lebens kennen und Hochprozentiges kosten – um schließlich zu Mimi zurückzuflattern, die ihn schon hinter den dicken Klostermauern sehnsüchtig erwartet.
1869 ließ sich Offenbach von seinen Librettisten Henri Meilhac und Charles Nuitter ein altes französisches Märchen zu einer abendfüllenden Opéra-Comique umschreiben, die sich in Paris prompt zu einem Schlager mauserte. Große Karriere machte "Vert-Vert" trotzdem nicht. Und wie vieles von Offenbach, schaffte es von dem in Deutschland mit "Kakadu" (!) übersetzten Dreiakter gerade mal die Ouvertüre in Silvesterkonzert-Potpourris. Keine große Überraschung ist es daher, dass erst jetzt, im Zuge der vom Musikwissenschaftler Jean-Christophe Keck eingeläuteten Offenbach-Rundum-Renaissance, "Vert-Vert" seine CD-Premiere feiern durfte. Und weil die English Connection um Dirigent David Parry inzwischen zur ersten Adresse geworden ist, was die Hochglanzpolitur gerade von übersehenen Offenbach-Coups angeht, vergehen nun die zwei Stunden wie im Flug. Auch dank einer stimmschauspielerisch großartigen Sängercrew, die keine effektvoll gesetzten Witz-Pointen braucht, um einem diese Gute-Laune-Droge mit all ihren Neben- und Nachwirkungen zu verabreichen.

Guido Fischer, 17.04.2010



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