Die Engländer lieben alles Royale, das ist nichts Neues. Deshalb wohl ist beim Publikum des Royal Ballet auch die Begeisterung so groß, dass Kenneth MacMillans ziemlich plüschiges k. u. k.-Tanzmelodram "Mayerling" jetzt bereits zum zweiten Mal zu DVD-Ehren kommt. Schwer wie eine Esterházy-Torte und süß wie Demel-Obers zieht sich diese pappige Melange aus Kostümschinken und Gesellschaftsstück dahin. MacMillan muss bei seinem Dreiakter über das nach wie vor mysteriöse Ableben des österreichischen Thronfolgers Rudolf von Habsburg samt der 17-jährigen, ihm in Backfischhingabe verfallenen Gräfin Mary Vetsera am 31. Januar 1889 im Jagdschloss Mayerling leider ziemlich viel Handlung bedienen. Die Intrigen bei Hofe waren nicht einfach, die Roben pompös und die Mode nicht sehr ballettgerecht. So verliert man irgendwie den Überblick, ob der melancholisch dreinstierende Edward Watson als gar nicht sympathischer Infant nun gerade mit seiner Mutter Elisabeth, seiner Gattin Stephanie, seiner Ex-Geliebten Gräfin Larisch, seiner Lieblingsprostituierten Mitzi oder der lolitahaften Mary sich zu den gewohnt komplexen MacMillan Pas de deux verschraubt – die freilich hier auch ein wenig von ihrer Wirkung eingebüßt haben. 1978 mag dieses träge Handlungsballett mit seinen Bordellklischees, seinen flotten Ungarn und sterbensmüden Österreichern, dem Hin und Her an Familiengezänk, politischen Kabalen und amourösen Capricen noch sein Prickeln gehabt haben, heute wirkt es – auch wegen der wenig imaginativen Ausstattung des unvermeidlichen Nicholas Georgiadis und John Lanchberys gleichförmiger Partitur nach Liszt-Klavierstücken – hoffnungslos altmodisch.

Matthias Siehler, 24.04.2010



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