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News? No News!

The Ullmann, Swell 4

Jazzwerkstatt/Records Vertriebsges. JW 068
(69 Min., 6/2008)

Gibt es Neuigkeiten? Ach was. Das legen der Berliner Saxofonist und Bassklarinettist Gebhard Ullmann sowie drei Amerikaner, der Posaunist Steve Swell, der Bassist Hilliard Greene und der altgediente Free-Drummer Barry Altschul nahe. Falsch: Es gibt Neuigkeiten, und zwar gute. Denn der Free Jazz dieser vier hat zwar viel mit dem Free Jazz der Sechzigerjahre gemeinsam – aber das Verhältnis von freier Improvisation, Kalkül und sorgfältiger Komposition ist 50 Jahre nach Ornette Colemans Platte "Free Jazz" und den oft brachialen Folgeproduktionen bei den Ullmann/Swell 4 völlig anders. Hier gibt es nicht nur am Anfang und Ende eines Stücks, sondern auch an vielen Stellen zwischendurch sorgfältig ausgeführte, geplante Passagen – und die freien Improvisationen sind so sensibel aufeinander abgestimmt. William Parker schreibt in seinen Liner Notes von einem "guten Feuer, das sich von Friede und Liebe nährt". Genau dessen Flamme brennt, wenn sich – meist getragen von einem festen Puls – ekstatische, überblasene Spieltechniken und wohlgeformte Sounds der Bläser mit den Klängen von Bass und Schlagzeug vereinen. Diese Musik hat mit jener Free-Spielweise der Sechziger, die oft – je nach Musiker zu recht und zu unrecht – als "Kaputtspielen" empfunden wurde, nicht das Geringste zu tun. Sie entspricht dem amerikanischen Verständnis des Free Jazz, jenseits des Gängigen neue konstruktive Spielformen zu entwickeln und die persönlichen Empfindungen besonders intensiv, deutlich und unvermittelt in Klang umzusetzen. In den zehn Stücken paaren sich Disziplin und freie Ausdruckskraft mit viel Feingefühl für klangliche und emotionale Nuancen.

Werner Stiefele, 24.04.2010



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