Die Sopranistin Raina Kabaivanska, eine der großen Singdarstellerinnen ihrer Zeit, pflegte, wenn man sie auf eine ihrer wenigen CD-Aufnahmen, nämlich Verdis "Falstaff" unter Karajan ansprach, zu antworten: "Fragen Sie mich lieber nach der Leonore unter Karajan. Das war wichtig!" Tatsächlich scheinen große Leonoren wie die ihre seither ausgestorben. Jetzt liegt der Mitschnitt (bisher nur als Audio-CD bei RCA) in einer denkwürdigen Opern-DVD vor. Als Karajan nämlich 1978 im Triumph nach Wien zurückkehren wollte, von wo ihn Zerwürfnisse mit der Wiener Staatsoper trennten, wählte er dafür Verdis (von ihm selbst inszenierten) "Trovatore" – eines seiner großen musikalischen Schlachtschiffe. Karajan und Wien, dieses Gemisch war immer noch explosiv, sodass während der Proben der Hauptdarsteller Franco Bonisolli mit einer berühmt gewordenen Geste abhandenkam: Er schleuderte dem Maestro das Schwert vor die Füße und wurde durch Plácido Domingo ersetzt.
Kurz: Oper auch hinter der Oper. Nicht nur weil Karajan hier unter – elegant überspieltem – Erfolgsdruck stand, sondern auch wegen hinreißender Sänger ist das Ergebnis musikalisch überwältigend. Domingo strotzt vor jugendlicher Kraft, Cappuccilli und van Dam liefern Sternstunden profunder Bass-Dramatik und Fiorenza Cossotto spuckt Gift und Galle. Auch Kabaivanska erlebt man auf dem Höhepunkt ihrer lang anhaltenden Karriere. Zugestanden, dass sich in der opernmuseal altbackenen Regie Karajans die Darsteller so unbeholfen bewegen wie Zombies. Ihre Föhnperücken und das dick angeschminkte Schurkentum unter Zigeunern sind zum Schießen. Dennoch bleibt dieser letzte von Karajans "Troubadouren" (der erste auf CD war derjenige mit der Callas) unbedingt begrüßenswert. Da die betuliche, aber auch behutsame Erzähloper von einst heute nicht mehr existiert, auch irgendwie lehrreich. (Leider keine Extras.)

Robert Fraunholzer, 24.04.2010



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Die Solopartiten und -sonaten von Johann Sebastian Bach gelten vielen als der Heilige Gral der Geigenmusik. Darf man sie anrühren, verändern, verfremden? Gefährliches Unterfangen! Doch andererseits haben schon so einige Instrumentalisten den Beweis erbracht, dass gerade Bachs Werke sich mit ihren Walking Basses für eine Begegnung mit dem Jazz und anderen moderneren Stilrichtungen hervorragend eignen. Nun hat Geiger Benjamin Schmid seine waghalsige und ziemlich überzeugende […] mehr »


Top