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Lorelei

Anirahtak, Ulrich Lask, Jürgen Sturm

AO-Jazz/NRW Vertrieb NRW 3086
(48 Min., 2/2006 u. 7/2007)

Zu Unrecht wurden die deutschen Volkslieder den Machern der volksdümmlichen Hitparaden überlassen. Die Aachener Sängerin Anirahtak – mit bürgerlichem Namen Ulla Marks, der Gitarrist Jürgen Sturm und Ulrich Lask, der neben Saxofonen, Kornett und Althorn auch den Keyboardpart sowie den Einsatz digitaler Gerätschaften und die Produzentenrolle übernahm, bearbeiteten für das Album "Lorelei" sieben Songs – vom schwedischen "Jungbrunnen" bis zu Matthias Claudius' "Der Mond ist aufgegangen" und dem Brahms'schen Abendlied "Guten Abend, gut' Nacht". Anirahtak singt sie mir klarer, heller Stimme und deutlicher Artikulation. Alle sieben sind sparsam instrumentiert und folgen der Ästhetik der neuen Langsamkeit, wobei Wechsel in Klangfarben und Gestus nicht immer aus dem Text oder dem Fluss der Melodien abgeleitet sind, gelegentlich aber auch platt kommentieren. So wecken Dobroklänge und ein trällerndes Saxofon in "Die Gedanken sind frei" Assoziationen an die Weite der amerikanischen Prärie und frei strömende Ideen, und Anirahtak flicht auch noch die Mehrstimmigkeit des Denkens ein. Und warum erfolgt die Wiederkehr der Strophen zum Ende des Titels über nervenden, loopartigen Gitarrenfiguren? Auch die "Lorelei" wird zwar von wellenartigen Bewegungen begleitet, die – soll es eine Vorahnung des Untergangs des Schiffers sein? – schon beträchtlich vor der entsprechenden Textzeile unruhig werden. Recht getragen "Kommt ein Vogel" geflogen, und "Kein schöner Zeit in diesem Land" ist eine mit Dobro inszenierte, letztendlich um den Text erleichterte Country-Variante des Volkslieds "Kein schöner Land in dieser Zeit". So bleiben nach dem Hören gespaltene Gefühle. Höchst erfreulich ist, dass Anirahtak den Mut hatte, sich mit Volksliedern zu befassen. Aber die Umsetzung befriedigt nur zum Teil.

Werner Stiefele, 01.05.2010



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