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Lauer Large/Konstanz Suite

Johannes Lauer

Jazzwerkstatt/Records Vertriebsges. JW 087
(76 Min., 11/2007)

Es ist eine Bilderbuchkarriere, die der 28-jährige Posaunist und Komponist Johannes Lauer da hingelegt hat: Geboren und aufgewachsen in Süddeutschland und Florenz, Bundessieger bei "Jugend musiziert" in den Fächern Posaune und Klavier, Mitglied im BundesJazzOrchester, Studium in Berlin, Luzern und New York, schließlich Aufnahme in das Jazzkollektiv Berlin. Aus Musikern des Berliner Kreises rekrutiert er seine Großformation Lauer Large, der drei Trompeter, vier Posaunisten, fünf Saxofonisten und jeweils ein Gitarrist, Bassist und Schlagzeuger angehören. 2007 bekam Lauer den Auftrag, mit diesem Ensemble das Eröffnungskonzert des Jazzherbsts Konstanz zu gestalten. Die Aufnahme stammt allerdings von einem Folgekonzert im nahe gelegenen Ravensburg, wo Lauer einst die Musikschule besuchte. Die Livesituation entspricht ideal dem Ansatz dieser Big Band mit dem Spielideal einer Combo. Hier wird entschieden akustischer Jazz von heute gemacht, will sagen: Das Spielideal von Alexander von Schlippenbachs Globe Unity Orchestra ist im 21. Jahrhundert angekommen. Tonales ist nicht vom Teufel, ebensowenig wie zupackende Rhythmik. Immer sind da bei aller überbordenden Freiheit klare Strukturen gegeben. Die vollziehen sich ganz diskret, erinnern mit ihrer selbstverständlichen Leichtigkeit an den Klangmagier Gil Evans. So bleibt alles transparent, macht Laune und entspricht mit den wechselnden Stimmungen der sieben Titel ganz dem Suitenanspruch. Lauer schreibt eine Musik, die sich nur mit einem derart großen Stimmenreservoire entfalten kann, die aber doch ganz auf ein massiges Muskelspiel der Bläsergewalt verzichtet. Ein Geheimnis dabei ist, dass er die Klangfarbe eines jeden Ensemblemitglieds stimmungsgenau einsetzt. Live ist diese raffiniert arrangierte und auch großenteils improvisierte Musik in ihrem Entstehungsprozess erlebbar. Das Publikum lockende Längen sind Teil dieses Prozesses – vom Tonträger wirken sie allerdings nicht immer stimmig. Doch das ist ein altes Jazz-Dilemma.

Thomas Fitterling, 01.05.2010



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