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Ludwig van Beethoven

Sinfonie Nr. 5 u. 6

Kammerorchester Basel, Giovanni Antonini

Sony Classical 88697 64816-2
(70 Min., 7/2008 u. 7/2009)

Kaum hat Paavo Järvi seinen Beethoven-Zyklus beendet, da begibt sich, ebenfalls unter dem Sony-Dach, Giovanni Antonini mit der Fünften und Sechsten in die Halbzeit seiner nicht minder faszinierenden Sinfonien-Exegese. Ob der Zeitpunkt den Absatz steigert? Jedenfalls beweisen beide: Heute wird der Beethoven-Altar nicht mehr mit sinfonischen Großapparaten, sondern mit schlanken, agilen, schlagkräftigen Kammerorchestern bestückt. Das "kammerorchesterbasel" scheint im Vergleich zu Järvis Deutscher Kammerphilharmonie, wenn man beide Elite-Ensembles überhaupt gegenüberstellen mag bzw. kann, noch eine Spur drahtiger, wendiger und – da lässt der Barockflötist des "Giardino armonico" grüßen – im Klangbild schärfer, bläserkonzentrierter. Die penetrant als schwergewichtige "Schicksalssinfonie" missverstandene Fünfte inszeniert der Italiener als stürmisches Florettgefecht: leichtfüßig, ungemein reaktionsfreudig, mit akkuratesten Sforzati und punktgenauen Fortissimo-Ausbrüchen. Beethoven habe in Anlehnung an seinen Zeitgenossen Jean Paul im Pathetischen das Komische, im himmelstürmenden Titanen (à la Eroica) den abgründig-skurrilen "Anti-Titanen" gesucht: Ob sich diese von Antonini und Hans-Georg Hofmann im Booklet vorgestellte Werkidee so konkret in den Noten (zumal der triumphalen Schlussapotheose) niederschlägt, sei dahingestellt. Jedenfalls ist Antoninis – wenn man so will – südländische Sicht auf dieses ganz der (Motiv-)Reduktion und dramatischen Stringenz gewidmete Werk heute weit diskussionswürdiger als die monströsen Säbelschlachten, in der sich die teutonische Seele "per aspera ad astra" mühselig emporkämpft. Apropos südländisch: Dass Antoninis Beethoven-Verständnis der "Pastorale" zugute kommt, liegt auf der Hand. Blumenzauber, duftende Wiesen, quicklebendiges Getier, zeitlos glückliches Naturidyll – solche Hörbilder stellen sich in der schwerelos-eleganten, von betörenden Legati und satten Bläserharmonien durchzogenen Klangkunst aus Basel wie von selbst ein.

Christoph Braun, 08.05.2010



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