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N° 1290
28.01. - 03.02.2023

nächste Aktualisierung
am 04.02.2023



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Ernst Krenek

Sechs Motetten nach Franz Kafka, Chorwerke

RIAS Kammerchor, Hans-Christoph Rademann

harmonia mundi HMC 902049
(74 Min., 5/2009)

Im Jahre 2008 präsentierte der RIAS Kammerchor, damals noch unter der Leitung von Marcus Creed, Ernst Kreneks "Lamentatio Jeremiae Prophetae" für Chor a cappella. Zwei Jahre später tritt das Ensemble, nun von Hans-Christoph Rademann geführt, erneut mit Chormusik von Krenek hervor – ein mutiges Unterfangen: Auch die "Lamentatio" war schon ein unbekanntes Werk, allein wegen seiner horrenden Schwierigkeiten sehr selten zu hören. Allerdings bot sie zumindest dem Kenner der Materie einige Anknüpfungspunkte, weil Krenek sich bei seiner Vertonung dieser ursprünglich liturgischen Lektionen nicht nur in puncto Textauswahl, sondern auch hinsichtlich der melodischen Grundlage seines dodekaphonen Zyklus konsequent (und für den Hörer leicht nachvollziehbar) an ebenjener liturgischen Tradition orientierte.
Diese Sammlung von Chorwerken Kreneks aus den Jahren 1923 bis 1959 nun birgt neue Herausforderungen für den interessierten und unvoreingenommenen Rezipienten, aber auch neue Freuden, vermittelt durch den nimmermüden intellektuellen Impetus des Komponisten: Da sind etwa jene 1944 entstandenen "Five Prayers" (op. 97), die man eigentlich als "Paternoster"-Tropus beschreiben muss: Das lateinische "Vater unser" erklingt zunächst mit einer zwölftönigen, einstimmigen Melodie. Dann werden einige Abschnitte des "Paternoster", um inhaltlich ergänzende Texte des mittelalterlichen englischen Mystikers John Donne erweitert (tropiert), zitiert und auf der Basis ihres jeweils entsprechenden Melodieabschnitts zum mehrstimmigen polyfonen Satz ausgearbeitet – die Vokalpolyfonie der Renaissance und die Zwölftontechnik begegnen sich. Und da sind auch die stilistisch verwirrend vielfältigen "Drei gemischten A-cappella-Chöre" (op. 22) von 1923, die den Hörer sowohl durch ihre textausdeuterische Intensität und Differenziertheit als auch durch ihre schiere Klangpracht faszinieren – ein Frühwerk des noch suchenden 23-Jährigen, der doch auch schon ein Könner ist. Manches mehr noch kann der Hörer hier entdecken, perfekt vermittelt durch den immer wieder beeindruckenden RIAS Kammerchor, der unter wechselnder Stabführung doch niemals seine Ensemblequalität und seine hundertprozentige Aussagebereitschaft einbüsst.

Michael Wersin, 08.05.2010



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