home

N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



Responsive image
Arcangelo Corelli

Violinsonaten op. 5 (Orchesterfassung von Francesco Geminiani)

Maurice Steger, The English Concert, Laurence Cummings

harmonia mundi HMU 907523
(71 Min., 7/2009)

Gerade die besseren Interpreten Alter Musik wirken manchmal unterfordert. Denn verglichen mit Werken späterer Zeiten scheinen viele barocke Instrumentalkonzerte das Bedürfnis nach der Zurschaustellung von Virtuosität und das Ausleben starker Emotionen nur ungenügend zu befriedigen. Eine Möglichkeit, diesen Frust zu kompensieren, ist, die Tempi zu treiben und zu rockenden Akzenten Zuflucht zu nehmen. Auch der ganz junge Maurice Steger hat dieser Versuchung nicht immer völlig widerstehen können. Doch mit seinem aktuellen Album zeigt er den ultimativen Ausweg aus diesem Dilemma. Er hat sich dafür die technisch keinesfalls schweren Orchesterbearbeitungen herausgesucht, die der Wahlengländer Francesco Geminiani im 18. Jahrhundert zu Corellis Violinsonaten op. 5 angefertigt hat. Kombiniert hat Steger diese Quelle mit verschiedenen zeitgenössischen englischen Manuskripten, in denen sich ausgeschriebene Verzierungen zu den Stücken finden. Obwohl man weiß, dass virtuose Interpreten kräftig verzierten, haben derartige Quellen in der Praxis nur wenig Beachtung gefunden: Denn was da auf dem Papier steht, wirkt oft so aberwitzig überladen, dass man geneigt ist, an notierte Kuriositäten und nicht an ernsthafte Kunst zu glauben. Steger aber beweist das Gegenteil: Obwohl ihn das Feuerwerk an Trillern, Vorhalten und wilden Kaskaden selbst in den langsamen Sätzen dazu zwingt, schneller zu spielen, als ein Vogel zwitschern kann, wird Corellis schlichte Architektur keineswegs verdeckt. Bei einer schier unglaublichen Leichtigkeit, Schnelligkeit und Differenziertheit seines Spiels bringt Steger zugleich das Kunststück fertig, aus kleinsten Noten große Melodiebögen zu gestalten, deren Sinnlichkeit durch die vielen kleinen Vorhalte und rhythmischen Verzögerungen nur noch intensiviert wird. Ein musikalisches Aha-Erlebnis!

Carsten Niemann, 08.05.2010



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Eigentlich plante Gustav Holst eine Pianistenkarriere, eine Nervenentzündung im rechten Arm zwang ihn jedoch dazu, sich umzuorientieren. So wandte er sich der Komposition zu und begann ein Kontrapunktstudium in Oxford. Sein Kollege Ralph Vaughan Williams hatte bereits zwei Jahre in London studiert und war anschließend nach Cambridge gegangen. 1895 trafen sich schließlich beide am Londoner Royal College of Music, daraus entstand eine der dauerhaftesten Freundschaften in der britischen […] mehr


Abo

Top