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Arcangelo Corelli

Violinsonaten op. 5 (Orchesterfassung von Francesco Geminiani)

Maurice Steger, The English Concert, Laurence Cummings

harmonia mundi HMU 907523
(71 Min., 7/2009)

Gerade die besseren Interpreten Alter Musik wirken manchmal unterfordert. Denn verglichen mit Werken späterer Zeiten scheinen viele barocke Instrumentalkonzerte das Bedürfnis nach der Zurschaustellung von Virtuosität und das Ausleben starker Emotionen nur ungenügend zu befriedigen. Eine Möglichkeit, diesen Frust zu kompensieren, ist, die Tempi zu treiben und zu rockenden Akzenten Zuflucht zu nehmen. Auch der ganz junge Maurice Steger hat dieser Versuchung nicht immer völlig widerstehen können. Doch mit seinem aktuellen Album zeigt er den ultimativen Ausweg aus diesem Dilemma. Er hat sich dafür die technisch keinesfalls schweren Orchesterbearbeitungen herausgesucht, die der Wahlengländer Francesco Geminiani im 18. Jahrhundert zu Corellis Violinsonaten op. 5 angefertigt hat. Kombiniert hat Steger diese Quelle mit verschiedenen zeitgenössischen englischen Manuskripten, in denen sich ausgeschriebene Verzierungen zu den Stücken finden. Obwohl man weiß, dass virtuose Interpreten kräftig verzierten, haben derartige Quellen in der Praxis nur wenig Beachtung gefunden: Denn was da auf dem Papier steht, wirkt oft so aberwitzig überladen, dass man geneigt ist, an notierte Kuriositäten und nicht an ernsthafte Kunst zu glauben. Steger aber beweist das Gegenteil: Obwohl ihn das Feuerwerk an Trillern, Vorhalten und wilden Kaskaden selbst in den langsamen Sätzen dazu zwingt, schneller zu spielen, als ein Vogel zwitschern kann, wird Corellis schlichte Architektur keineswegs verdeckt. Bei einer schier unglaublichen Leichtigkeit, Schnelligkeit und Differenziertheit seines Spiels bringt Steger zugleich das Kunststück fertig, aus kleinsten Noten große Melodiebögen zu gestalten, deren Sinnlichkeit durch die vielen kleinen Vorhalte und rhythmischen Verzögerungen nur noch intensiviert wird. Ein musikalisches Aha-Erlebnis!

Carsten Niemann, 08.05.2010



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