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Rudolf Nureyev: Celestial Attraction (Ein Porträt von Sonia Paramo)


(52 Min., 2008)

Es besteht nicht gerade ein Mangel an Dokumentationen über den Jahrhunderttänzer Rudolf Nureyev. Sein außergewöhnliches Leben, seine einzigartige Begabung, seine exzentrische Persönlichkeit haben ihn schließlich zum bis heute (Nijinsky mag verzeihen) berühmtesten Ballerino überhaupt gemacht. In den Siebzigerjahren hatte er nicht nur sogar das klassische Ballett sexy erscheinen lassen, er war wie ein Popstar – kein Wunder, dass sogar Mick Jagger eine kurze Affäre mit ihm hatte. Trotzdem erhofft man sich von diesem von Sonia Paramo anlässlich seines 70. Geburtstags vor zwei Jahren für das französische Fernsehen gedrehten Porträt etwas Neues, Überraschendes, Erhellendes. Das ist nicht der Fall. In einer leider viel zu kurzen Stunde werden einmal mehr die bekannten Fakten heruntergebetet, statt wenigstens einen Aspekt zu vertiefen. Die Geburt im fahrenden Zug 1938, der verständnislose Tartarenvater, der brennende Wunsch, es als Tänzer aus dem provinziellen Ufa auf die Leningrader Kirow-Bühne zu schaffen. Die Flucht 1961 in Paris, das Nomadenleben im Westen, die Partnerschaft mit Margot Fonteyn, die Pariser Jahre als Direktor des Opernballetts ab 1983, der Aids-Tod zehn Jahre später. Alles ist da, abgehakt, mit aufwendig in Russland neu gedrehten Filmsequenzen, aber nichts wirklich anderes vermittelnd, als in den weit besseren, ausführlicheren, tiefenschärferen Filmen zuvor. Zudem badet der Kommentar im Kitsch, ergeht sich in Klischees vom unverstandenen, einsamen Künstler, der nur für seine Mission lebt. Immerhin kommen die kanadische Ballerina Karen Kain, sein Kollege Charles Jude, der ehemalige französische Kulturminister Jack Lang, der ihn nach Paris verpflichtete und sein Arzt zu Wort. Da war eine schöne, ebenfalls 2008 ausgestrahlte Arte-Dokumentation, die auf der hervorragenden Biografie von Julie Kavanagh (deutsch bei Propyläen) basierte und auch die frühen studentischen Filmaufnahmen, die sein damaliger deutscher Freund aus Ostberlin angefertigt hatte, enthielt, weit berührender und im besten Sinne enthüllender. Auf DVD erschien nun aber der falsche Film.

Matthias Siehler, 12.06.2010



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