Also entweder ist der Aufnahmeort dieser CD, die Alte Börse in Coswig, sehr, sehr hallig – oder aber es wurde kräftig "gesoßt" im Sinne des US-amerikanischen "Easy Listening"-Ideals. Soll so kaschiert werden, dass Jan Vogler nicht den wärmsten, blühendsten Celloton hat, sondern mitunter eher flachbrüstig klingt? Damit fehlt ihm eigentlich die Voraussetzung, diese Schmankerln attraktiv einzuspielen – sozusagen die sinnliche Verführung, durchaus mit einem Schuss Rattenfängerei ... Voglers Spiel ist nicht ohne Raffinesse, wärmen jedoch kann es so gut wie nie. Und daran ändert auch die Beigabe von zehn Pfund sächsischen Halls nichts.
Die Schwelle ist ohnehin niedrig, wohinter der blanke Kitsch lauert. Und sie wird hier mehrfach überschritten, nicht nur klangtechnisch, sondern auch in den Orchester-Arrangements. Die fabulieren immer noch süßliche Harmonien hinzu, geleckte Begleitstimmen und generell einen Schmuseteppich von Klang, weichgespült noch vom Hall, dass der Kenner sich eigentlich mit Grausen abwenden müsste. Aber für ihn ist diese Scheibe ja vermutlich gar nicht gemacht, sondern für die Sonntagmorgen-beim-Frühstück-Hörer (beziehungsweise Nicht-Hörer), die hier eine gefällig gemusterte Klangtapete vorfinden, sozusagen ein auratisch entsprechendes Ambiente. Es muss ja nicht immer Barock sein ...

Thomas Rübenacker, 12.06.2010



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