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Batucada Jazz

Magnus Lindgren

Enja/Edel 0095542EJM
(62 Min., 2009)

Wir schreiben das Jahr 2010 und befinden uns in der Vorrunde der Fußball-Weltmeisterschaft. Brasilien hat gerade sehr nüchtern und langweilig gegen Nordkorea gewonnen. In Berlin ist es ausnehmend kühl. Der Autor rennt durch den strömenden Regen. Und dennoch könnte er keine bessere Laune haben. Drogen? Nein. Diese CD. Sie ist sonnendurchflutet. Verspielt. Hat warme Bläsersätze. Lebt von einem pulsierenden Rhythmus, der viel differenzierter als das ist, was der Mitteleuropäer normalerweise unter Samba versteht. Diese Musik ist auf die denkbar beste Weise brasilianisch. Kunststück. Sie stammt ja auch von einem Schweden.
Gut – "Batucada Jazz" wurde in Rio aufgenommen und versammelt feine Musiker aus Südamerika an Klavier, Gitarre, Bass und Percussion. Aber ersonnen und konzipiert wurden die Songs und Instrumentalstücke von Magnus Lindgren. Den 1974 in Vasteras geborenen Saxofonisten, der hier auch seine hervorragenden Fähigkeiten an der Flöte unter Beweis stellt, kennt man als Mitglied von Nils Landgrens Funk Unit. Und das, was dem alten Schweden Landgren (der auf "Batucada Jazz" bei einer Nummer zu hören ist) mit dem eigentlich als tiefschwarz geltenden Funk gelungen ist, das schafft der junge Skandinavier Lindgren hier auch mit der brasilianischen Musik im Spannungsfeld zwischen Bossa, Siebzigerjahre-MPB und Karnevals-Samba: Er europäisiert sie in mancherlei melodischer Hinsicht, verpasst ihr einen hardboppigen Anstrich – und lässt ihr dennoch ihren biegsamen Rhythmus und Groove. Nils Landgren hat Konkurrenz bekommen: Magnus Lindgrens Samba Unit ist eine der angenehmen Überraschungen dieses Sommers.

Josef Engels, 03.07.2010



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